Freitag, 1. Januar 2016

Santa Cruz, Sucre, Potosí, Uyuni und La Paz

Wir fahren mit dem Bus zur Grenze zwischen Brasilien und Bolivien. Die Sonne brennt und die Straßen werden nicht gerade besser. An der Grenze stehen wir eine halbe Stunde in der Schlange um aus Brasilien auszureisen und dann etwa eine Stunde in der Schlange um nach Bolivien einzureisen. Wieder erweist sich mein EU-Reisepass als dankenswert. Das chinesisch-amerikanische Pärchen braucht etwa zweieinhalb Stunden und der arme Ryan, der seit seiner Kindheit in Neuseeland wohnt, aber einen malaysischen Pass hat, schafft es erst kurz vor Schließung der Grenze, den begehrten Stempel in seinen Pass zu bekommen. Wir fahren mit dem Taxi zum Busbahnhof und verbringen in einem ziemlich abgeranzten kleinen Restaurant etwa vier Stunden, bis wir endlich in unseren Nachtbus steigen können. Es ist heiß, staubig und voll. 
Der Reisebus ist recht komfortabel. Wir verteilen uns über die zweite Etage und ich brauche ungefähr drei Minuten, bis ich einschlafe. Plötzlich weckt mich ein unsanftes Schulterklopfen. Drei Polizisten wollen meinen Pass sehen. Der eine öffnet ihn, ließt meinen Namen, guckt mich an, sagt 'Oh! Maria!' und lächelt mich wissend an. Ich lächele deutlich weniger wissend zurück. Ein katholischer Name in der Gruppe scheint ihm zu reichen. Der Rest wird nicht mehr kontrolliert. Danach erfahre ich, dass wir ungefähr seit 90 Minuten unterwegs sind und seit dem schätzungsweise 5 km gefahren sind. Als der Fernseher über meinem Kopf angeht und ein uralter Silvester Stallone Film anfängt, ziehe ich mir meinen Schal über den Kopf und schlafe weiter.

Dass man kaum erkennt, was im Bildschirm zu sehen ist, liegt weniger an der Qualität meiner Handykamera als an der des Bildschirms...

Als wir in Santa Cruz ankommen, stehen wieder Polizisten in unserem Gang. Was genau sie wollen habe ich nicht verstanden. Keiner wird kontrolliert. Wir steigen aus, laden unser Gepäck in Taxis und fahren zu unserem Hotel. Jeder von uns möchte jetzt das Eine: duschen. Sauber und umgezogen, ziehen Caroline, Lucy, der zweite David und ich los und schauen uns die Stadt an. Santa Cruz ist das wirtschaftliche Zentrum Boliviens und komplett anders als der Rest. Vieles hier erinnert an europäische Städte. Der Baustil ist modern. Am Nachmittag fahren wir in eine Mall, die wie aus dem amerikanischen Bilderbuch geschnitten ist. Ein paar wollen den neuen Starwarsfilm sehen. Ich kann mich beherrschen. Und mein Rucksack ist kaputt gegangen, was ich ihm nach zehn Jahren treuer Dienste nachsehe, was mich trotzdem auch ein kleines bisschen ärgert und dafür sorgt, dass ich jetzt eben einen neuen brauche. Die Mädels und ich bummeln ein bisschen, essen ein Eis und fahren dann mit dem Taxi zurück zum Hotel. Nachmittags machen Caroline und ich ein kurzes Workout auf der Dachterrasse des Hotels und gehen abends mit dem Rest der Gruppe essen. Wieder auf einer Dachterrasse.

Die Dekoration auf dem zentralen Platz in Santa Cruz gefällt mir deutlich besser als in allen brasilianischen Städten zuvor und allen bolivianischen Städten danach.

Dass die Fußgängerampel grün ist, hat keine Bedeutung. Das Ampelsystem in Bolivien ist so übersichtlich wie der Verkehr. Ich ziehe den Vergleich mit Neu Delhi.


Santa Cruz hat außer dem Marktplatz und dieser hübschen Kathedrale, die nachts angestrahlt neben unserem Abendessen leuchtet, nicht so viel zu bieten...

Caroline studiert Physiotherapie und hüpft die ganze Zeit durch die Gegend. Dass sie bei ihrem Workout das erste mal 60 Sekunden lang still hält, finde ich etwas paradox.

Yolande und Lucy kommen beide aus Neuseeland und haben mich eingeladen, sie im bald zu besuchen. Ich mag beide genau gleich gern.

Wir sind eine große Gruppe. Das sehe ich ein. Mein Sandwich (!) kommt als letztes (nach 1,5 Std. Wartezeit) und schmeckt dann auch noch furchtbar. Die anderen haben Mitleid. Immerhin.

Am nächsten Morgen nehmen treffen wir uns um 6 Uhr in der Lobby. Während der Spießer in mir dafür gesorgt hat, dass ich nach dem Essen heimgegangen bin, kommen andere gerade rechtzeitig vom Feiern zurück, um ihre Zähne zu putzen und ihr Gepäck zu schnappen. Wir fahren zum Flughafen und fliegen (diesmal ohne Komplikationen) nach Sucre, der eigentlichen Hauptstadt Boliviens. Mitten in den Anden, gewöhnen wir uns von hier aus an die Höhenluft (2800 m ü. NN). 
Drei Tage und drei Nächte verbringen wir hier. Wir fahren in ein Dorf, dass für seinen Textilmarkt bekannt ist (ich kaufe nichts, weil ich weder Platz noch Lust zum rumschleppen habe). Wir wandern auf eine Anhöhe und Klettern in den Felsen der Anden. Wir essen, trinken, schlafen. Mir gehts nur so mittel. Carina hatte mich schon gewarnt, dass das Essen in Bolivien eine Herausforderung sein könnte. Drei Tage lang habe ich Bauchschmerzen und weiß nicht, was ich essen soll, damit es mir wieder besser geht. Nichts essen hilft auch nicht. Irgendwann gehts wieder, aber so ganz normal fühle ich mich nicht. Trotzdem gefällt es mir hier.

Um halb sieben stehen wir Schlange um einzuchecken. David und Daniele gehören zur Fraktion derer, die aus der Bar nur noch kamen, um ihre Koffer zu holen. Toughe Biester.

Mein Frühstück fällt latent spartanisch aus. Trockenpflaumen und Vollkornkekse. Für die Uhrzeit reichts.

In Sucre ist es erstmals kühler. Abends hole ich sogar meine Mütze raus. Wunderschön finde ich es trotzdem.

In der Markthalle Sucres erklärt uns Eddie, dass diese kleinen Klumpen luftgetrocknete Kartoffeln sind. Die Inka haben die Methode entwickelt und konnten so in der trockenen Andenluft ihre Ernte bis zu 50 Jahre haltbar machen. Sie schmecken wohl nur so mittel. Probiert habe ich sie nicht.

Die Inca hatten für jede Höhen- und Wetterlage ihre eigene Mais- und Kartoffelsorte. Noch heute gibt es über 500 verschiedene Maissorten und mehr als 3000 verschiedene Kartoffeln.

Und leider auch mindestens so viele bettelnde Kinder in den Straßen. Ähnlich wie in Deutschland ist die Bettelei oft mafiaähnlich organisiert. Kinder werden geliehen, um 3-5 Tage zu betteln. Die Menschen dahinter leben meist in Saus und Braus.

Diese unendlich vielen verschiedenen Kräuter kommen in den Mate. So heißt hier der Tee. Typisch sind Kokablätter mit Kamille und Grünem Tee.

Die Bettler sind fast ausschließlich Inka, die aus ihren Gemeinden in die Städte kamen, um sich hier ein besseres Leben aufzubauen. Dass das meist scheitert liegt am porösen Sozialsystem Boliviens und an der ausgeprägten Diskriminierung indigener Bewohner.

In diesem Hinterhof essen die anderen Santeñas, die im Prinzip wie saftige Empañadas schmecken.

Weil es sie nur mit Hühnchen oder Rind gibt, schaue ich zu, wie es Lucy, Daniele und Aidan schmeckt.

Am Nachmittag laufen wir zu einem Aussichtspunkt über der Stadt. Obwohl wir erst bei 2800m ü. NN sind...

...dürfte unsere Herzfrequenz etwa so aussehen, als wir atemlos oben ankommen.

Diese drei unterhalten uns am Aussichtspunkt, wo wir kontinentstypisch frische Säfte trinken und den Ausblick genießen. Die drei sind Enkel und Großvater und spielen die typischen Lieder der Inka. Klingt ungewöhnlich, schön und ziemlich melancholisch.

Tags darauf fahren wir eineinhalb Stunden lang zum Textilmarkt, neben dem auch Alltagsware verkauft wird. Zum Beispiel Kokablätter. Diese werden traditionell gekauft und ausgespuckt. Sie vertreiben Kopfschmerzen und den Appetit und machen, dass die Backe, in der gekaut wird, taub wird. Zur Begrüßung tauscht man gerne ein paar Blätter aus, statt sich die Hand zu geben. Ein Beutel kostet 15 Bolivianos. Das sind nicht mal 2€.

Lucy und ich hätten gerne mitgespielt. Dann hätte ich lieber den Deckel gehabt, Lucy hätte mich mit den Zahnbürsten in ihren beiden Händen attackiert.

Für den Textilmarkt am Sonntag laufen die Inkas teilweise 3-4 Stunden aus ihren Gemeinden in das Dorf, um ihre Waren zu verkaufen. Manche haben einen alten Bus, die meisten nehmen den Esel, um ihre Waren zu transportieren.

Im Dorf ist Hochzeit. Gefeiert wird ohne Brautkleid, dafür mit Gitarre und Konfetti.

Auf dem Rückweg geben uns die Anden schon einen kleinen Vorgeschmack auf das, was uns die nächsten Tage erwarten wird.

An unserem zweiten Tag in Sucre machen sich einige von uns auf, um über der Stadt zu klettern.

Dass die beiden Mädels in jeder Dimension nur halb so groß sind wie Lucy und ich, liegt an ihrer weniger behüteten Kindheit und der entsprechenden Mangelernährung. Sichern können sie uns beim Klettern selbst trotz des Unterschieds aber ziemlich überzeugend.

Der Blick von oben ist mal wieder gar nicht so schlecht.

Die 3 verschiedenen Routen selbst machen auch ziemlich Spaß.

An unserem letzten Tag in Sucre machen Lucy und ich uns einen entspannten Vormittag im Café und laufen dann durch die Stadt, die ihre koloniale Geschichte nicht verleugnen kann.

...und wir spielen 'Drunk, tired or dead?'

'drunk, tired or dead?'

Wir fahren weiter nach Potosí, der höchsten Stadt der Welt, die auf 4060 m über dem Meeresspiegel liegt. Der Weg führt uns in unserem Bus durch die Anden und obwohl ich hundemüde bin, fahre ich mit aufgerissenen Augen durch diese wunderschöne Landschaft. Die Fotos werden dem was ich sehe mal wieder nicht gerecht. Aber sie vermitteln vielleicht einen Eindruck. Etwa 60 km vor Potosí erwischt es mich dann: die Höhenluft knockt mich aus und durchschlafe meinen Weg in die Stadt.  Wir essen spartanisch-bolivianisch zu Mittag und während die anderen in eine Silbermine fahren, machen Caroline und ich einen dreistündigen Mittagsschlaf. Die Silbermine hat Potosí zwischenzeitlich (in den 1500-1600ern) zu einer der größten Städte der Welt gemacht. Zunächst haben die Inka hier gefördert, dann die Spanier. Seitdem sind schätzungsweise 8 Millionen versklavte Inka hier ums leben gekommen. Der Versuch, afrikanische Sklaven in den Minen arbeiten zu lassen, scheiterte daran, dass die meisten schon vor Potosí an der Höhenkrankheit starben. Auch heute sind die Arbeitsbedingungen katastrophal. Die Arbeiter sind selbst für ihre Schutzausrüstung verantwortlich und auch ihr Dynamit müssen sie selbst kaufen. 25 Arbeiter sind allein in diesem Jahr gestorben. Ich will das nicht sehen. Ich hab schon genug Untertage gesehen. Am nächsten Morgen entscheiden sich einige für das Münzmuseum. Auch hier kann ich mein Interesse unter Kontrolle halten. Ich laufe lieber durch die Stadt, bis wir um halb zwei endlich losfahren: Nach Uyuni in die bolivianische Salzwüste.

Der Baum ganz links ist Eukalyptus, der von den Australiern hier eingeführt wurde. Das Holz wird für vieles verwendet, da es im Gegensatz zu den heimischen Andenbäumen gerade nach oben wächst. Leider verbraucht es auch viel Wasser. Es scheint sich aber durchgesetzt zu haben. Bis nach Peru werden uns diese Bäume durch die Anden begleiten.

Mein Highlight in Potosí ist diese wunderschöne Tür...

und diese zuckersüßen Kinder.

Auf dem Weg nach Uyuni habe ich Gänsehaut. Alle 15 Minuten ändert sich die Landschaft vollständig.

Die Anden sind rot, grün, gelb und blau.

Dieser Canyon beeindruckt mich besonders. Wir machen Halt und genießen die Aussicht. Keiner fällt rein, wofür alle recht dankbar sind.

Die Stadt Uyuni ist wie auch Potosí entstanden, um den Minenarbeitern ein Heim zu geben. Die Straßen sind unverhältnismäßig breit, damit die großen Laster das abgebaute Material abtransportieren können. Alles ist staubig und trocken. So trocken, dass wir Nasenbluten bekommen, meine Augen tränen und meine Finger aufreißen. Wir bleiben nur eine Nacht und fahren am nächsten Morgen in 4 Jeeps los, um uns die Salzwüste anzuschauen. Wir halten an unterschiedlichen Punkten, lernen über die Entstehung und die Struktur der Salzwüste und ihre Bedeutung für die Region. Heiligabend verbringen wir auf einer Insel in der Salzwüste, in einem Hotel, dass vollständig aus Salz gebaut wurde. Um uns herum grasen Lamas, außer uns hört man nur den Wind, hinter uns ragt ein Vulkan empor,  vor uns nichts als Salz.

Mitten in der Wüste befindet sich ein Güterzzugfriedhof, der nicht verrottet, weil es zu trocken ist. Wir schaukeln, dann geht es weiter Richtung Salz.

Der Ausblick lässt mal wieder hoffen.

Bolivianische Lamas sind auch nicht mehr das was sie mal waren. Und das am heiligen Abend. Mitten auf der Straße.

In Colchani machen wir kurz Pause. Hier wohnen die Menschen, die das Salz abbauen und es speisefertig verkaufen.

Juanito erklärt uns, wies geht. Seit 30 Jahren stellt er in seiner Gemeinde das Speisesalz her.

Es wird in großen Brocken angeliefert, zerkleinert, getrocknet...

...mit Jod versetzt, verpackt und verkauft. Für einen Spottpreis.

Unsere Jeeps.

Unter der Salzkruste Sprudeln verschiedene Quellen. An manchen Stellen ist das Salz 30 cm dick, an anderen über einen Meter.

Ich habe meine Weihnachtmütze auf, weil Heiliger Abend ist. Das Monument hinter mir ist natürlich auch aus Salz und wurde anlässlich der Paris-Dakar-Rallye gebaut, die letztes Jahr erstmals hier lang gefahren ist.

Warum die Fahnen hier wehen, weiß ich nicht genau. Weil ich ein kleines bisschen Heimweh habe, freue ich mich über die deutsche.

Weil die Lamas oben ja schon das Eis für unchristliches Verhalten am heiligen Abend gebrochen haben...

...stellen Lucy, Caroline und ich uns Tequilashots mit Limette rein. Das Salz lecken wir stilecht vom Boden auf. Classy, si?

Weiter gehts es in Richtung Unterkunft. mit ungefähr 130 km/h durch die Wüste.

Dieser Vulkan wacht nachts über uns.

#nofilter als die Jungs abends keuchend in der Höhenluft Fußballspielen und ich mich Richtung Wüste umdrehe, sieht das so aus.

Mein kleines Weihnachtswunder erfahre ich, als ich mein Wichtelgeschenk aufmache. Ich bekomme die Mütze, Amaranthschokolade und Quinoaschokolade aus Sucre geschenkt. Carina hatte mir die Quinoaschokolade zum Geburtstag geschenkt. Es war ein Überraschungspaket. An Heiligabend habe ich sie genau ein Jahr lang nicht mehr gesehen.

Am nächsten Morgen brechen wir früh auf. Wir fahren zu einer weiteren Insel, die früher als Übernachtungsstätte für die Inka diente, die als Boten vom Norden der Anden Richtung Chile und Argentinien laufen mussten. Die waren dank Quinoa und Chiosamen natürlich extrem Flott unterwegs, aber auch die brauchten eben mal ne Pause. Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich mir auch schlimmeres Vorstellen hätte können, als diese Insel. Wir fahren weiter durch immer holprigeres Gelände, vorbei an noch mehr Vulkanen, an Seen voller Flamingos, durch Marslandschaften und den bolivianischen Teil der Atacamawüste. Es ist traumhaft. Die Landschaftsbilder lasse ich umkommentiert – schließlich hat mich die Landschaft selbst auch sprachlos gemacht.

Auf dem Inkaheim will ich gerne Inka sein. Und stelle mir einfach vor, sie seien so von Stein zu Stein gehüpft.

Während die anderen versuchen den Horizont auszutricksen und Bilder mit überdimensionierten Weinflaschen machen, schnappe ich mir Yolande (weil weder Nele noch Anke parat stehen) und schleudere sie über meine Schulter. Danach liegen wir beide lachend auf dem Boden. Hat sich gelohnt.

Ich liebe den Blick aus dem Fenster. Autofahren macht mir zum ersten mal richtig Spaß.

Benimm dich.

Beim Mittagsstop passieren wir ein Quinoamuseum, in dem wir alles über den Quinoaanbau lernen.

Zum Beispiel, wie der Boden vorbereitet wird, dass der Dünger aus rein organischem Material besteht und der Anbau nicht bioer sein könnte. Ein Zertifikat gibt es nicht, kostet zu viel.

Wieder mitten in der Wüste befinden sich diese Schienen. Das komische chinesische Paar schießt wie immer eine Milliarden Bilder der gleichen Art an der beliebtesten Stelle und weil es Lucy und mir irgendwann zu bunt wird, hüpfen wir einfach durchs Bild. Nach 4 Wochen reicht es uns.









Weil es mir leider nicht so gut geht (Caroline hat sich am Vortag vier mal übergeben, ich strauchle etwas) gehe ich nicht mit in die heißen Quellen. Ein Photo der anderen mache ich trotzdem gerne.

Weiter geht es nach La Paz. Wir nehmen den Nachzug, der so sehr ruckelt, dass ich liegend vollständig abhebe und lande. Wir steigen um in einen Bus und kommen irgendwann an. Ich bin müde. Wir laufen durch den Stadtkern und fahren dann mit dem Cable-Car in den oberen Teil der Stadt. Wir genießen den Ausblick und machen letzte gemeinsame Photos. Als wir wieder runterfahren wollen zieht sich der Himmel zu und es fängt in Strömen an zu regnen. Alle wollen runter. Nach einer Stunde sitzen wir klatschnass in unserer Kabine und fahren Berg ab. Der Ausblick hat sich gelohnt. Am nächsten Tag mache ich mich mit Bob, David, Lucy, Caroline, Daniele, Yolande und Seonah auf zur Death Road. Ja richtig: Death Road. (Mami, google das gerne selber. Ich habe überlebt.) Den letzten Tag in La Paz verbringe ich lesend in Cafés und bummelnd in den Straßen. Ich brauche eine kleine Pause von der Gruppe, bevor wir gemeinsam nach Peru aufbrechen. Bolivien war atemberaubend. Ich würde wieder kommen.

Auf dem Weg zum Cable-Car kommen wir an etlichen Ständen mit roter und gelber Unterwäsche vorbei. Die ist für Silvester. Gelb soll finanziellen Erfolg, rot Glück in der Liebe bringen. So so.

Es gibt vier Cable-Car-Linien, die letztes Jahr eröffnet wurden.

Man zahle 6 Bolivianos (ungefähr 90 cent) für einmal hoch und wieder runter.

Entwickelt wurde das ganze (natürlich.) von einer deutschen Firma.

Caz und ich müssen ab hier allein weiter: Lucy schließt sich einer anderen Gruppe an. Auch David fährt wieder nach England. Das alberne chinesische Paar verabschiedet sich Gottseidank auch. Keiner ist so richtig traurig, dass die beiden nicht mehr mitkommen.

La Paz besteht aus zwei Teilen. El Alto (der obere Teil) und unten die Innenstadt. Jeder Teil beherbergt etwa 1 Mio. Einwohner. Dank des Cable-Cars brauchen die Menschen aus El Alto nun statt 60 Minuten strammen Marsches nur noch 10 Minuten Cable-Car-Fahrt um zur Arbeit zu kommen.

Dieses unbearbeitete Bild von der Aussichtsplattform stellt recht treffend dar, weshalb plötzlich alle gleichzeitig wieder runter wollen.

Wir ziehen Schützer an, Schutzhose und Oberteile, Helme und co.

So sehen wir dann aus. Und rollen 64km lang den Berg runter. Erst asphaltiert, dann nicht mehr so ganz.

Ich fahre deutlich langsamer die anderen. Auf den Videos sieht das dann so aus, dass innerhalb von 10 Sekunden alle vorbeirrauschen, dann gibt es meist eine 30-40 sekündige Pause...und dann komme ich.

Aber das ist okay. Denn in der Gruppe vor uns fällt einer übers Geländer und landet 30 cm vor einem 1 km tiefen Abhang. Der, dem das am Vortag passiert ist, hatte nicht so viel Glück...

Kurze Pause und ganz ehrlich: von oben sah's gar nicht so steil aus.

Wie auch immer: ich komme nicht als letzte unten an, wir bekommen ein T-shirt mit 'Survivor'-Aufdruck und ich wertschätze meine Vorsicht, meine schmerzenden Arme und Beine und die netten Leute um mich herum, ohne die ich wahrscheinlich nicht mutig genug gewesen wäre, den Spaß überhaupt mitzumachen.

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