Freitag, 15. Januar 2016

Puno, Titicaca-See, Cusco, der Inka-Trail und Machu Picchu

Wir fahren mit dem Bus an den Titicaca-See, mit dem Boot über eine Stelle ohne Brücke, mit dem Bus weiter an die peruanische Grenze. Wieder warten, ausreisen, 100 m laufen, einreisen. Wieder ein neuer Stempel im Reisepass. Dank des Schengenraums fühlt sich das ja wirklich besonders an. Wir fahren mit dem Bus nach Puno, der ersten größeren Stadt auf der peruanischen Seite des Titicaca-Sees. Wir checken im Hotel ein und weil wir aus irgendeinem Grund ein Upgrade bekommen haben, entscheiden Caz und ich, dan Nachmittag in unserem Hotelzimmer zu verbringen und abends Zimmerservice zu bestellen. Wir fühlen uns herrlich dekadent, aber nach all dem Reisen durch Bolivien erscheint es auch wie eine wohlverdiente Belohnung.

die kleinen Boote vorne links sind für uns, die Flöße hinten rechts für unseren Bus

Zhi, Ryan, Aidan und ich haben gute Laune. Weil die Überfahrt extrem wackelig ist, freue ich mich, dass sie nur wenige Minuten dauert.

is ja auch nett hier...

über die Grenze, gestempelt und glücklich.

Die Suppe links ist aus Gemüse für mich. Das Huhn rechts ist für Caz. Die Dulce-de-Leche-Röllchen sind für uns beide und sie sind leer, bevor wir den Rest auch nur anrühren.

Am nächsten Morgen stehen wir recht früh auf. Es geht mit dem Tricycle an den Hafen und von da aus (mal wieder) auf ein Boot, raus auf den Titicacasee. Wir besuchen die berühmten schwimmenden Inseln, die aus Reet bestehen und auf denen die ersten Bewohner Südamerikas wohnen, die irgendwann aus der Karibik gen Süden gewandert sind. Wir verbringen den Tag an unterschiedlichen Punkten auf dem See und landen am Abend bei den Familien unseres Homestays. Wir werden vorgestellt, spielen Fußball gegen die Locals (wie man das hier so gerne macht. Vor allem, wenn sie hören, dass Engländer und Deutsche dabei sind), und ich halte zum ersten Mal in meinem Leben drei Tore, ohne mir in Grundkurssportmanier die Hände vors Gesicht zu halten.

Wir fühlen uns schlecht, weil der arme Kerl an Silvester uns zwei schwere Touristen durch die Gegen fahren muss. Deshalb wechseln wir uns einfach mit ihm ab.

Der Titicacasee ist ein bisschen aufmerksamkeitsgeil. Ich gönne ihm und starre ihn ganz unverhohlen an.

Auf den schwimmenden Inseln gibt es sogar eine kleine (!) Grundschule. 

Von weitem sieht man nur Reet und die Frauen in ihren hübschen und (traditionell) linken Kleidern.

Wir essen auf der Isla Taquile zu Mittag.

Es gibt den besten Minztee, den ich je getrunken habe. Natürlich nach Quinoasuppe und frischem Fisch aus dem See.

10944 km zwischen mir und den Gabis.

Wir bekommen den lokalen Tanzstil der einheimischen gezeigt.

Und dann kommen wir nicht umher: Jonahs (Mitte) Mama und er haben einen Riesenspaß daran, uns die drei Röcke, Westen, Gürtel und Bommel überzustreifen. Wir findens super.

Dann nahmen sie Caz und mich mit zu sich auf die Farm, wo wir das neue Jahr angemessen feiern, indem wir um viertel vor neun schlafen gehen und am nächsten morgen um viertel vor 6 aufstehen.

aber natürlich nicht, bevor Caz mich vor dem Frosch rettet, der vor unseren Augen in unsere Zimmer hoppelt. Wie gut, dass sie auf einer Farm aufgewachsen ist.

Am nächsten morgen komme ich in die Küche, wo Caz bereits hilft, das Brot fürs Frühstück zu backen. Wie herrlich stressfrei es ist, ins neue Jahr zu schlafen. Ich überlege, das jetzt immer zu machen. Wir frühstücken mit Panetone, die wir der Familie als Gastgeschenk mitgebracht haben, dem selbstgemachten Brot und heißer Schokolade mit Zimt. Wir sind selig. Manuel, der Vater das Familie, stößt dazu und isst mit uns. Dan bringen wir zusammen die Schafe auf die Heide und laufen zum Karrottenfeld. Das muss umgepflügt werden. Und zwar am Neujahrsmorgen und von Hand (mit Spitzhacke). Von uns. Na gut. Wird erledigt und mit anschließendem Spaziergang entlang der Küste der Insel entlohnt. Wir verabschieden uns gegen Mittag schweren Herzens von Sarafina, Jonah, seinem kleinen Bruder Roger und Vater Manuel. Es geht zurück nach Puno, wo wir wieder Roomsservice bestellen und wieder sehr früh schlafen gehen. Am nächsten Tag geht es nach Cusco.

Das ist Juanita. Die isst gerne Seegras. Das ist günstig, denn das wächst direkt vor der Tür am Ufer des Sees.

Vor uns liegt die Arbeit. Nicht, dass ich jetzt ständig Felder umpflügen wollte, aber das Gefühl, etwas erledigt zu haben ist danach herrlich.

Möööööh. (Ist peruanisch.)

Die peruanische Nationalblume wächst vor allem hier auf den Inseln des Titicacasees.


Jonah gibt uns noch eine kleine Bootstour. Mit den Paddeln und dem Stab fühle ich mich ein bisschen die in Venedig und ein bisschen schuldig für jedes Stück selbstgemachten Brots, das ich am Morgen gegessen habe.

Er pflückt uns Seegras

In Cusco beziehen wir unser Hotel, das leider wieder nicht mehr so schön ist. Es riecht etwas nach rauch und ist ziemlich dunkel. Die Stadt hingegen ist umso schöner. Es erinnert mich ein bisschen an Sucre, nur größer, sauberer und etwas entwickelter. Insgesamt ist Peru wahnsinnig sauber (zumindest in den Städten. Auf dem Land erinnert der Plastikmüll an allen Ecken mal wieder stark an Indien.) Wir verbinden zwei Tage in Cusco, bevor wir uns auf den Inkatrail begeben. Die 4-tägige Wanderung über 45 km, etliche Pässe, mehrere Höhenkilometer und durch die schönste Landschaft, die ich bis jetzt gesehen habe, liegt vor uns und das Briefing mit unserem Guide lässt uns alle latent verängstigt zurück.

Als David und ich durch die Stadt bummeln, entdecken wir das Choco Museo, in dem wir nach unserer Rückkehr vom Inkatrail einen Schokoworkshop machen. Das Motto find ich okay.

Die Spanier haben so richtig krass in der Region um Cusco gewütet. Cusco war nämlich die Hauptstadt des Inkareichs. Dementsprechend liegen in der Umgebung etliche Tempel. Das war ganz günstig für die Eroberer, die dann die Tempel plündern konnten, um ihre ollen Kathedralen mit dem Gold zu verzieren. Ich bin nicht rein, aber Elly, die neu in unserer Gruppe ist, meinte, das sei das albernste und maßloseste, was sie je gesehen habe.

Eine palästinensische Kaufmannsfamilie wollte sich in Cusco niederlassen. Logischerweise war sie aber nicht katholisch, was dazu führte, dass man sie eher weniger als mehr dabei haben wollte. Daraufhin haben sie eine Jesusstatue auf dem Hügel über der Stadt errichtet und zack: akzeptiert und geschätzt. Auch ohne Katholizismus.

Der Platz im Zentrum ist quasi KM 0 des Inkatrails nach Machu Picchu. 

So sieht er von oben aus.

Das ist ist unsere zweite Version der Gruppe: mit Boro und Ozana links (rothaarig und Hut, Kroatien), rechts daneben die zuckersüßen Paul und Elly (Bart und rote Jacke, England), der merkwürdige Australier, der blond und groß neben Seonah rechts steht und Lu, ganz außen, die uns durch Peru führt.

Wir machen uns auf den Weg nach Ollantaytambo, wo wir eine letzte Nacht schlafen um dann an KM 82 des Inkatrails zu fahren und von dort aus zu wandern. Auf dem Weg dahin fahren wir bei einem Planterraprojekt vorbei. Planterra ist die Organisation von Gadventures (meinem Reiseveranstalter), den ich mit 1€ pro Tag unterstütze. Die Frauen stellen ökoverträgliche Textilien her. Planterra unterstützt sie bei der Produktion, den Werkzeugen, der Organisation und dem Vertrieb. Ich mag die Lamas.

Gibt mal wieder nix zu sehen. Alles Grün...langweilig...

Guck nich. Gibt nix.

Sie wäscht die Lammwolle und färbt sie nur mit Pflanzen und natürlichen Zutaten.

Damit kann sie alle Farbtöne erzielen. So hübsch.

Die Ladies weben gemeinsam, wechseln sich ab und helfen sich. Das hat sie unabhängig von ihren Männern gemacht und erlaubt ihren Kindern, in die Schule zu gehen. Ich finde es großartig.

Der Condor ist das Symbol der Liebe und findet sich in vielen Mustern der traditionellen Stoffe wieder. Kondore verlieben sich nur einmal im Leben. Stirbt das Weibchen, fliegt das Männchen gegen einen Felsen und stirbt. Stirbt das Männchen aber, sucht sie das Weibchen einen neuen. Das unterhält mich.

Wir essen in einem lokalen Restaurant, das ebenfalls von der Planterrastiftung begleitet wird. Das Essen schmeckt fantastisch. Ich bekomme eine vegetarische Version ohne Milch, was ich so kurz vor dem Inkatrail nicht schlecht finde.

Die Inkastätte von Ollantaytambo war die wichtigste Stadt im Inkareich. Sie wurde leider von den Eroberern geplündert. Machu Picchu war gar nicht so wichtig, wurde aber von den Spaniern nicht entdeckt und ist aufgrund seiner guten Erhaltung heute so besonders.

Am nächsten Morgen geht es sehr früh los. Wir packen unserer Duffelbags, in die wir 3,5kg an Kleidung, Handtuch, Schlafsackinlay und Flipflops packen durften und fahren los. Wir erhalten letzte Anweisungen, Schlafsäcke und Snackbags und machen uns bereit. Dann fängt es an in strömen zu regnen. Klasse, was? Wir ziehen uns hastig unsere Regencapes über, denn 4 Tage lang nassfeucht durch die Gegend zu laufen will keiner so richtig. Als wir (mit Ausweis) auf den Inkatrail einchecken hört es auf und dabei bleibt es.

Alle Packen und hoffen, dass mit Schlafsack und Matratze die vorgeschriebenen 6 kg nicht überschritten wurden. Das wird nämlich am Checkpoint streng kontrolliert, damit die Träger nicht mehr als nötig belastet werden. Außerdem dürfen am Tag nur höchstens 200 neue Touristen auf den Inkatrail und im Februar liegt er brach, damit sich die Natur erholen kann. Ich finde das alles ziemlich fortschrittlich und man merkt auf dem Inkatrail, dass die Maßnahmen greifen.

Als Elly und Paul mich überzeugen, Wanderstöcke zu mieten, bin ich noch skeptisch. Spätestens am zweiten Tag wird aus Skepsis große Dankbarkeit.

Unbedarft und glücklich, dass der Regen wider aufgehört hat. Als wäre das die größte Herausforderung...

Die Natur gibt auch mal wieder ihren Senf dazu. Wir checken ein und laufen los.

Vorbei an Inkaruinen...

Durch Inkaruinen...(wo uns Inkawarrior und Tourguide Rivelino alles erklärt, was man wissen sollte)

Elly (oben), Caz (darunter), Paul (gepunktet) und ich (unten) vergleichen den Stand der Dinge. Caz gewinnt, Paul bekommt den Award für besondere Kreativität.

Elly und Sabine waschen sich die Hände in den Schüsseln, die über die nächsten vier Tage die einzige Option sein werden, sich mit sauberem Wasser zu reinigen.

Die Träger und Köche haben bereits unser Mittagslager aufgebaut, als wir ankommen.

Wie auch immer schaffen es die Männer, uns in der minimaoistischen Campküche jeden Tag zwei Dreigängemenüs zu kochen. Suppe, Gemüse und Huhn (für mich Tofu oder Omelette) und Nachtisch. Unfassbar.

Stimmung geht.

Abends schlafen wir zwischen Pässen und Gipfeln, Bäumen und Büschen (und Lamas). Am ersten Tag sind wir so schnell, dass wir eine halbe Stunde weiter campen, als ursprünglich geplant. Wir sind stolz. Am zweiten (und härtesten) Tag sind wir dankbar, dass wir die halbe Stunde später starten können.

Als wir nach 2 Stunden bergauf das erste mal pausieren, ahnt keiner von uns, was uns noch erwarten würde.

Dieser Pass nämlich, der 1100 m über der letzten Schlafstädte liegt. Als ich ihn nach 2000 Treppenstufen erklimme breche ich ganz rational und angemessenerweise in Tränen aus. Ich glaube, ich bin selbst überrascht, dass ich den Quatsch durchgezogen habe. Außerdem ist es der 1.6.2016 und ich rede mir ein, dass ich jetzt verdammte Axt alles in diesem Jahr erreichen kann.

Der Blick lohnt sich am ende auch. Der schmale Pfad da rechts besteht übrigens aus besagten Treppenstufen. Das Tal dahinter lässt vielleicht erahnen, wie steil es war.

Auch Caz ist gut gelaunt, weil sie sich erstmals so richtig erschöpft fühl. 'I really needed a challenge, you know?!'

Am dritten Tag ist alles theoretisch nur noch halb so schlimm. Praktisch habe ich Muskelkater. Wie jeden Morgen kommen die Männer und sagen: "Good morning! Kokatea?" – "Yes Kokatea!"

Kurz vor der letzten Schlafstätte überrascht uns dieser Regenbogen. Muy bonito.


Von einem Felsen in der Nähe der Zelte beobachten Caz und ich den Sonnenuntergang. Die Belohnung für unsere Anstrengung.

Am letzten Wandertag werden wir um halb vier geweckt. Caz ist wie immer eh schon wach. Wir stellen uns an, checken am letzten Checkpoint ein und laufen um halb 6 los in Richtung Machu Picchu.

Die Stimmung ist ruhig. Alle Wanderer sind gespannt auf das große Ziel. Der schwarze Bär hier hat Hunger. Deshalb ist er auf einen Baum über dem Wanderpfad geklettert.

Ich bin bereit für die letzten 6 km über Stock und Stein (und Treppen...)

Am Sonnentor haben wir das erste mal Sicht auf Machu Picchu. Ich bin vollkommen erschlagen. 4 Tage ohne Dusche, 3 Nächste auf hartem Boden, Wandern, Essen, Schlafen.

Die 'Flakitas' ist eine Gruppe Aussies, die ich immer wieder getroffen und angefeuert habe. Als ich am letzten Tag an ihnen vorbeilaufe halten sie mich auf. Sie ernennen mich zum Ehrenmitglied und ich soll auf ein Photo. Ich freu mich.

Rive ist den Trail schon mehrere hundert mal gelaufen. Mit unserer Leistung ist er zufrieden. Als ich als erste bei Machu Picchu eintreffe nennt er mich mal wieder 'Speedy Gonzales alemana'.

Und das sind sie: die Ruinen von Machu Picchu. Die geheimnisvolle Grabstädte, von der keiner so genau weis, wer hier warum wie lange gewohnt hat und warum er oder sie dann keine Lust mehr darauf hatten.

Drunk, tired or dead?

Viele Ruinen liegen immer noch im Urwald. Der Inkatrail soll bald erweitert werden, denn es gibt noch viel zu sehen.

Ich bin beeindruckt.

Von Machu Picchu aus fahren wir in ein Tag, essen dort zu Mittag und nehmen dann den Bus, den Zug und den Bus zurück nach Cusco. Wir gehen sehr früh ins Bett, ich schaffe es noch nichtmal bis zum Abendessen (was vielleicht auch an den zwei Belohnungspiscosours liegt, die Caz und ich uns gönnen). Die letzten zwei Tage verbringen wir nochmal in Cusco. Ich mag die Stadt wirklich. Von hier aus verabschiede ich mich von der Gruppe und fliege nach Santiago. Die nächste Woche werde ich an der Chilenischen Küste verbringen.

Die Jungs sind langsam und behäbig, aber motiviert trotz ihres Alters. (ich ziehe hier bewusst keine Vergleiche...)

Der San Pedro Market ist wunderbar. Alles gibt es hier. Frisch und Lecker. Frisch und nicht so lecker. Nicht so Frisch und nicht so lecker. Und allen möglichen Quatsch (Lammfelle, Schrauben, Räucherstäbchen...)

Billigschmuck und echte Halbedelsteine...

Frischen Karotten-Mango-Saft und entsprechend freshe Verkäuferin. Sie würde gerne Caz mit ihrem ältesten Sohn verheiraten.

Nachmittags besuchen einige von uns den Schokoworkshop. Es macht mega Spaß. Wir schmecken unterschiedlich verarbeitete Kakaobohnen verschiedener Regionen, rösten, schälen...

packen die geschälten Bohnen in den Mörser (hier Aidan als Handmodel)

und Mörsern, bis unsere Arme abfallen. Am Ende machen wir unsere eigene Schokolade, die wir eine Stunde später abholen können. Die war leider trotz Kühlung ziemlich weich, weshalb ich nur die Hälfte der 200 g innerhalb der ersten Stunde aufgefuttert habe.

Am letzten Tag wache ih sehr früh auf und Cusco begrüßt mich mit seinem schönsten Morgenlicht. Ich liebe die Anden und Peru hat es mir wirklich angetan. Ich fahre mit den anderen an den Flughafen. 

Dort verabschiede ich mich von diesem Quatschkopf und den anderen. Die Fliegen nach Lima, ich fliege direkt nach Santiago. Es wird komisch sein, nach 39 Nächten plötzlich keine australische Mitbewohnerin mehr zu haben.