Samstag, 12. Dezember 2015

Rio de Janeiro, Ilha Grande und Paraty

Es regnet. Vier Tage lang.
Ich komme auf der Avenida da Nossa Senhora de Copacabana an und bin das erste mal nicht klatschnass geschwitzt. Mein Taxifahrer wartet freundlicherweise, bis ich im Hauseingang verschwunden bin. Ich fahre mit dem Fahrstuhl in den 13. Stock und Tobi macht mir die Tür* auf. Max, Andi und Ximi sitzen auf der Dachterrasse. Mit Andi und Tobi hatte ich auf dem Schiff schon mal Tischtennis gespielt und als wir uns dann zufällig in Salvador wiedergetroffen haben, haben sie mich eingeladen, meine Zeit in Rio bei ihnen zu verbringen, bevor ich mich meiner Reisegruppe nach Lima anschließe. Wir quatschen bis halb zwei auf der Dachterrasse, dann gehe ich schlafen. Die Anreise war ziemlich anstrengend.



Futbol ist überall. Interessanterweise ist hier kein Schwein sauer auf uns. Ein bisschen wie Pedro in Salvador: entweder sie machen Witze und sie sagen uns todernst, dass wir die bessere Mannschaft waren und sie im Normalfall ab der Hälfte des Spiels (du weißt schon, welches) uns zugejubelt haben.


Am nächsten Tag schlage ich Marco und Silvia, die in der gleichen Straße untergekommen sind vor, dass wir eine Food-Tour durch Santa Teresa, die Altstadt von Rio, machen und die beiden sind dabei. Wir fahren mit dem Taxi zum Treffpunkt und schließen uns unserem Guide Raphael und dem Rest der Gruppe an. Wir machen an insgesamt vier Restaurants halt und nehmen an einem Punkt Essen auf die Hand mit. Alles schmeckt gut, alles kommt in Probiergröße. Dazwischen führt uns Raphael durch die Straßen Santa Teresas und erzählt über die Geschichte der Stadt und der Häuser, die sich hier dicht aneinanderreihen. Ich komme nach 6 Stunden Tour nach Hause, die anderen lungern rum und gemeinsam beschließen wir, noch etwas essen zu gehen (was gemessen an meinem minimalistischen Mittagessen in Häppchenform ein wunderbarer Entschluss ist.)

Im Café Alto fangen wir an, es gibt Manjok-Käse-Würfel. Klein, aber lecker.

Raphael führt uns in die Lokale und durch Santa Teresa. Er ärgert sich über den Regen, weil er nachher noch Schwimmtraining hat. Das find ich witzig, weil in meinen Augen nass ja auch irgendwie nur nass ist.

Streetart in Rio macht mich ganz hibbelig. Würde ich gerne einpacken und mitnehmen.

Einpacken. Mitnehmen.

Das ist das Schloss Valentin, das so heißt, weil die Familie Valentin es einst baute. Sie selbst bewohnte seit Mitte der 1800er einige Wohnungen, die noch heute von Generation zu Generation weiter gegeben werden. Der Rest wird seit damals vermietet um Kohle zu scheffeln. Im Moment stehen zwei Wohnungen frei, nur falls Bedarf besteht.

Dieser Künstler, dessen Namen ich mir leider nicht merken konnte, ist international anerkannt. Er stellte schon auf allen Kontinenten aus. Hier auf einem der vielen Hügel in Santa Teresa hat er sich in einen ehemaligen Bahnwagon ein kleine Atelier gebaut, in dem er kreiert und verkauft. Er verwendet dabei ausschließlich Recyclingmaterial und verlangt Preise zwischen 5 und 100 €. 

Pão do Quejo ist ein typisch brasilianischer Snack. Teig mit Käse. Wie praktisch. Stell dir mal vor, du müsstest ein Brötchen nehmen, aufschneiden, mit Käse befüllen, zuklappen, in die Mikrowelle stellen, warten, rausnehmen und essen! Hier kann man einfach Pão do Quejo kaufen und hat sich 7 Schritte gespart!


Açai ist die Königin des Sorbets und des Amazonas. Brazilian Botox nennen es die brasilianischen Marketingprofis. Die Beeren werden gefroren, mit Bananen und etwas Sirup püriert und mit Müsli bestreut. Gibts an jeder Ecke, schmeckt unglaublich und wird von mir ab jetzt mindestens 2-5 mal die Woche gegessen.



Auf den scheußlichsten Wänden die schönsten Farben. Wenn man gerade aufgehört hat, sich zu freuen, kommt schon das nächste Kunstwerk um die Ecke.

Die Besitzerin dieses Hauses hat es von ihren Großeltern geerbt. Es wurde 1973 nur renoviert. Erbaut wurde es Anfang des 19. Jahrhunderts und zwar für einen der Kaffeelords, von denen viele in Santa Teresa wohnten. Die kleine Tür unten diente als Eingang für die Sklaven, die im feuchten Keller des Hausen schlafen mussten.

Santa Teresa wurde erschlossen, weil es im 19. Jahrhundert eine Gelbfieberepidemie im unteren Teil der Stadt gab und die wohlhabenden Menschen dachten, wenn sie auf den Hügel über der Stadt zögen, wären sie gefeit vor der Krankheit. Hat nur so mittel geklappt.

Pele erfreut sich nach wie vor unvorstellbarer Beliebtheit. Schweinsteiger auch.

Das rosafarbene Haus ist heute ein Kulturzentrum. Früher wohnte hier die feine Dame Laurinda, die berühmt war für ihre Weltgewandtheit und ihre abgefahrenen Parties. Sie lud regelmäßig die Elite Rios ein und die Menschen kamen. Dann wurde sie Präsidentin des Ministeriums für Frauen und trug so grundlegend dazu bei, dass die Frauenrechte in Brasilien gestärkt wurden und die Ladies endlich wählen gehen durften. Nachdem das Haus (wie so viele) jahrelang leerstand, wird hier heute Capoeira, Tanz und Kunst unterrichtet.

Auf der Foodtour sehe ich, dass einer der Teilnehmer ein Eintrittsband zum Maracanã-Stadion hat. Ich frage ihn, ob er eine Tour gemacht hat und ob es sich lohnt. Er findet ja und weil es am nächsten Tag eh wieder regnet, kann ich Tobi, Andi und Ximi überzeugen, mich ins Stadion zu begleiten. Die Tour kostet 37 $BR, was umgerechnet 9€ sind. Sie dauert ungefähr 40 Minuten und bietet weniger Information als Erfahrung und das Gefühl, den Jungs der Mannschaft ein klitzekleines bisschen auf die Spuren kommen zu können. Abends schließen wir den Teil unserer Reise mit einem schicken Abendessen in einem der edleren Hotels der Stadt ab. Max hat es rausgesucht und irgendwie nicht so ganz rübergebracht, wie schick es sein würde, sodass Andi und ich ertragen müssen, von der Managerin von oben bis unten gemustert zu werden, weil wir in Shorts und Flipflops aufschlagen.

Das Maracanã-Stadion wurde 1950 gebaut und heißt eigentlich Estádio Jornalista Mário Filho, und wird nur im Volksmund nach dem Viertel in dem es steht Maracanã.

Der Originalbau konnte 200.000 Zuschauer fassen. Ich tippe, dass Sicherheitsmaßnahmen einen Rückbau auf knapp 80.000 Zuschauer gefordert haben. Die blauen, weißen und gelben Sitze ergeben mit dem Grün des Rasens die Farben der brasilianischen Flagge. Ich bin beeindruckt.


Wir werden durch die Umkleiden geführt und sehen die Sanitäranlagen. Die brasilianischen Girlies werfen sich vor Neymars Trikot in Pose, ich bevorzuge diesen Siegertypen hier.

Der Augsburger Trainerstab (Ximi, Andi und Tobi) und ich.


Freitags brechen die anderen früh auf, um den Bus nach São Paulo zu nehmen, von wo aus sie zurück in die Heimat reisen. Ich fahre zum Hotel, in dem sich meine Gruppe trifft. Ich lege mein Gepäck ab, laufe durch die Stadt, esse eine Riesenschüssel Açai mit Müsli, Banane und Honig und mache dann einen Mittagsschlaf im Hotelzimmer. Als ich wieder aufwache kommt Caroline herein, die ab jetzt meine Mitbewohnerin ist. Sie kommt aus Perth in Australien, ist einundzwanzig und ziemlich goldig. Wir treffen die anderen in der Lobby (Engländer, Kiwis, Aussies und eine weitere Deutsche) und gehen gemeinsam essen. Samstags morgens scheint endlich die Sonne. Ich schnappe mir zwei Neuseeländer (Bob und Ryan) und fahre mit ihnen zur Christo-Statue. Der Ausblickt lohnt sich. Um 11 treffen wir uns vorm Hotel zur Abfahrt zu unserer ersten Station: Ilha Grande [Ilia Grandschi] im Süden von Rio.

Jesus steht noch. Nachdem es 4 Tage lang regnete und man von hier oben aus nichts gesehen hat, ist der Andrang kurz nach dem wir eintreffen riesig. Wir haben Glück und können noch relativ ruhig angucken, was es hier oben anzugucken gibt und dann schonungslos in die Ferne zu starren, was den Eintritt von 9,50€ voll und ganz legitimiert.

Das sind Bob und Ryan aus Neuseeland. Spitzenjungs.

Der Regen konnte dem Zuckerhut nichts anhaben und die Wolken der Atmosphäre auch nich so richtig.

Maracanã als Ufo unten mittig.

Auf der Insel angekommen beziehen wir unsere Zimmer und machen einen Spaziergang an den Strand. Wir baden zwischen den Felsen und machen uns danach fertig fürs Abendessen. Ich bin furchtbar müde und gehe danach nach Hause. Caroline und die anderen ziehen noch los. Am nächsten Morgen wache ich allein im Zimmer auf. Gegen 7 kommt Caroline ins Zimmer, grinst mich an und sagt ‚I slept in a tent. Those Brazilians are just too beautiful.‘ Ich falle lachend aus dem Bett und hab Lust auf den Tag. Nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg für eine vierstündige Wanderung, bei der wir gefühlt 10000 Höhenmeter überwinden, Steigungen von 85% erklimmen und an drei unglaublichen Stränden vorbeikommen, an denen wir pausieren, Kekse und Bananen essen und schwimmen, bis alle Muskeln wieder locker sind. Auf dem Heimweg fängt es an in Strömen zu regnen. Drei Stunden lang fällt ungefähr so viel Regen wie im gesamten europäischen Spätherbst. Als ich nachts nach Hause komme, sehe ich, dass auf meiner Tasche, die auf meinem Bett liegt, Tropfen sind. Ich hebe sie runter und stelle fest, dass mein ganzes Bett klatschnass ist. Es hat durch die Decke getropft. Mir bleiben 30 cm am rechten Außenrand und ein feuchtes Bettlaken. Das Rotieren des Deckenventilators sorgt zusätzlich für eine der mittelmäßigsten Nächte meiner bisherigen Reise. Was hilft ist ist, dass ich 1. einen Caipirinha getrunken habe (der in Brasilien etwa zur Hälfte aus Cachaça besteht) und 2. so gute Laune habe, dass mich nicht mal ein nasses Bett aus der Fassung bringen kann. Ich breite mein Handtuch aus und schlafe sieben Stunden lang mehr oder weniger fest.

Wieder ein Boot...


Wieder ein Hafen.


Mein Essen ähnelt sich Tag ein Tag aus ein bisschen. Obst zum Frühstück, Kekse zu Mittag, Fisch mit Kartoffeln und Gemüse zu Abend. Wer weiß, wann ich wieder so frischen Fisch bekomme...

Nach der ersten Steigung denken wir, das schlimmste sei geschafft. Das war nicht ganz so, aber der Blick war schön.

Ich will gerade Bobs und Seonahs Gesichtsfarbe kommentieren, da antizipiere ich meine eigene und schätze sie etwa bei der Farbe von Bobs Rucksack ein...

Die Gruppe zerlegt sich über den Wanderweg in schnellere und langsamere Grüppchen. An den Stränden zwischen drin warten wir auf die Langsameren. Ist nicht so schlimm.


Gibt wirklich schlimmeres...



deutlich schlimmeres...

Kurzer Teil mit wenig Steigung, sodass ich Luft habe, auch mal meine Kamera rauszuholen.

und noch ein Strand.

Auf dem Rückweg fallen die ersten Tropfen. Auf dem Boot fühlen sie sich an wie Nadelstiche. Aus denen relativ schnell eine Wand wird. Aus Beton.

Dieser kleine Kerl ist gut 18 cm groß und starrt eindringlich auf meine Zimmertür, als ich nach Hause komme. Bob versucht ihn zu fangen, er springt souverän an die Wand und verweilt dort, bis die Zweibeiner sich zurückziehen.

Im strömenden Regen verlassen wir Montagmorgens die Insel mit Ziel Paraty. Diese kleine Kolonialstadt aus dem 16. Jahrhundert ist die letzte Station an der Küste, bevor es ins Landesinnere und dann Richtung Pazifikküste geht. Von hier aus wurde früher das Gold nach Portugal verschifft und später der Anbau von Zuckerrohr koordiniert. Nahe liegt deshalb, dass hier der brasilianische Nationalschnaps Cachaça erfunden wurde, der eben aus Zuckerrohr gebrannt wird. Wir nutzen die Zeit hier, um Kajak zu fahren, was für mich zwischenzeitlich zu einer Grenzerfahrung wird, weil ich eine der sechs geruderten Stunden nur mit schwerer Seekrankheit überstehe. Am folge Tag steht daher Tiefenentspannung (inklusive zweistündigem Mittagsschlaf) auf dem Programm. Und Arme ausruhen. Wir gehen abends essen und packen unsere Tasche, denn es steht ein Reisetag an: 5 Stunden im Bus nach São Paulo und dann mit dem Flieger nach Foz do Iguaçu.

Paraty ist zuckersüß und ziemlich verregnet. Die Straßen sind im 16. Jahrhunder so gebaut worden, dass sie bei Flut leicht überlaufen und der Schmutz der Straße ausgespült wurde. Das ist per se nicht schlecht, trägt aber auch nicht zur Qualität des Pflasters bei.

Dieser Herr verjubelt für 5 $BR seine Nachtische und wir probieren aus. Später stellen wir fest, dass er quasi der Alibaba-Döner von Paraty ist, als mehrere Polizeiwagen mit Blaulicht vor ihm halten, sodass ihre Insassen sich ihren abendlichen Snack gönnen können.

David aus der Nähre von London gönnt sich karamellisierte Erdnüsse. Die sind ein bisschen klebrig, schmecken aber sehr gut.

Wir trotzen dem Regen und spazieren durch die Innenstadt.

Was hilft ist die Verkostung der hiesigen Cachaçasorten, die wir im ältesten Cachaçaladen der Stadt nehmen und die dazu führt, dass der Abend entsprechend witzig verläuft.

'I'm going to do something very Brazilian. I'll go to the beach and have a beer. It's a cultural thing.' sagt unser Guide Eddie. Wir gehen mit, schützen uns unter den Sonnenschirmen vor dem Regen, spielen ein mir bis dato unbekanntes Klopfspiel. Eddie macht das Photo.

Diese Boote heitern den tristen Tag etwas auf. Später stellen wir fest, dass sie gerne von Paaren gemietet werden, die dann darauf schmusen. Diese Brasilianer...

Caroline und Lucy gönnen sich Churros. Das Selfie dauert etwa 10 Minuten, bis sie finden, dass ihr Gesichtsausdruck ihre Freude angemessen zum Ausdruck bringt.

Weil ich Schiss um meine Kamera habe, darf ich später die Screenshots von Carolines Gopro ziehen. Deshalb diese Qualität.

Als ich diese frisch gepflückte Kokosnuss trinke, weiß ich noch nicht, dass ich 3 Stunden später heulend zurückkehren würde und mich extrem darauf konzentrieren muss, mich nicht zu übergeben.

auf drei!

Beim Mittagessen nehmen alle Ananassaft, außer Bob (links von mir). Der nimmt Mango.


Wir kaufen für die Fahrt zum Flughafen nach São Paulo ein. Es gibt quasi nur frittiertes, gezuckertes und gebackenes Zeug. Wie gut, dass man hier so gerne Samba tanzt.

Wir bummeln durch die Stadt und machen wenig. Die Fenster in Paraty sind eigentlich Türen, weil die Häuser nur dem Lagern von Gold und Ware dienten. Ich find sie hübsch und ich mag blau.

eine Kugel Mango, Ananas, Basilikum, Cocos und Açai zu Mittag :)

Wahllos.



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