Samstag, 19. Dezember 2015

Foz do Iguaçu, Bonito und das Pantanal

Wir fahren mit dem Bus nach São Paulo, steigen dort in den Flieger und fliegen los. Der Pilot lobt das schöne Wetter und kündigt an, dass der Flug etwa eineinhalb Stunden dauern wird. Nach etwa zehn Minuten sinkt das Flugzeug mehrfach ruckartig ab und steigt sehr wackelig wieder auf. Plötzlich gefällt dem Piloten das Wetter nicht mehr ganz so gut (trotz konstantem Sonnenschein) und er kündigt an, zurück nach São Paulo zu fliegen. Wie sinken, steigen, kippen und fallen letztlich zurück auf den Flughafen der größten südamerikanischen Stadt und atmen durch.
Wir steigen auf ein vergleichbares Flugzeug um, uns wird für unsere Geduld und unser Verständnis (für das schöne Wetter?) gedankt und wir treten erfolgreich den Flug nach Foz do Iguaçu an. Die Stadt für sich ist ein bisschen enttäuschend. Aber dafür sind wir ja nicht hier her gekommen. Wir wollen schließlich zu den Wasserfällen.

Suvivalfaces. Eigentlich freuen sich alle, dass wir überlebt haben. Bob (vorne rechts) ist noch latent schockiert und Dave (hinten links) ist nicht mehr zu helfen.

Caroline kommt an diesem Tag nicht mit. Für Australier kostet das Visum 150$US. Wir EU-Mitglieder können freundlich lächelnd durch. Müssen wir aber nicht. Unsere Pässe werden kurz vor der Grenze eingesammelt und vom Busfahrer ins Grenzhaus getragen. Er habe einen Freund, der alles für uns abstempelt. 10 Minuten später erscheint er wieder mit unseren Pässen und dem entsprechenden Stempeln und wir fahren in den Nationalpark Iguazu. Dort machen wir einen Spaziergang entlang der Oberkante der Wasserfälle, steigen auf ein Boot und fahren unter die Wasserfälle und laufen über einen Steg an die beeindruckendste Schlucht – den Teufelsschlund. 
Trocken und sauber fahren wir abends zu unserem Busfahrer nach Hause, der uns auf ein traditionelles brasilianisches BBQ eingeladen hat.

Der Nationalpark Iguaçu ist in zwei Teile geteilt. Den argentinischen und den brasilianischen. Im Spanischen heißt es Iguazu, im Portugiesischen Iguaçu. Gesprochen wird's beides gleich.

Was die Argentinier richtig gut können, ist in eindrucksvollen Bildern zu zeigen, was Affen und Waschbären mit deiner Hand anstellen können, wenn du sie fütterst. Ach so. Und Tollwut übertragen sie auch. Die Tiere. Nicht die Argentinier.

Diese kleinen Racker schaffen es trotzdem, dass Touristen sie füttern oder gruselig nah an sie rangehen. Ich wertschätze mein Zoomobjektiv und halte mich fern. Irgh.

Als wir das erste mal Blick auf die Wasserfälle erhalten sieht das so aus.

Lucy und ich finden es offensichtlich großartig.

Es ist so beeindruckend.

So viel Wasser.

Der Baumstamm in der Mitte ist Rosenholz, das aufgrund der Rodungen zu den gefährdeten Pflanzenarten gehört. Hier nisten die Greifvögel des Nationalparks am liebsten, die dementsprechend zu den gefährdeten Tierarten gehören. 

Dschungel heißt dieser Zustand des Regenwalds. Nachdem das Areal Jahrzehnte lang als Rohstofflieferant einer Holzhändlerfamilie diente, wurde es in den frühen 1930ern zum Nationalpark erklärt. Der Regenwald braucht noch etwa zehn-zwanzig Jahre, bis die größten Bäume voll ausgewachsen sind. Dann werfen diese so viel Schatten, dass das verworrene Gebüsch darunter zurückgeht und man wieder vom Primärregenwald spricht. D.h. der Regenwald braucht locker 100 Jahre Zeit, um wieder vollständig klarzukommen.

Mit dieser Bahn fahren wir zum Teufelsschlund.

An der Bahnstation wartet diese Eidechse auf uns.

Auf dem Weg über den Steg sehe ich diesen adretten Kerl, der sich dankenswerterweise für mich in Pose wirft.

Als wir über den Steg laufen zieht es sich kurz zu, am Teufelsschlund selbst kommt dann aber die Sonne raus. Willkommen in den Tropen.


Aufgrund der Regenfälle der letzten Wochen führen die Wasserfälle im Moment 5-6 mal soviel Wasser mit wie sonst. Daher die güldene (braune) Farbe. Die Wassermassen fließen gerade einmal 30-50 cm unter dem Steg lang und haben eine unfassbare Kraft. 


Überall fliegen schwärmeweise Schmetterlinge. Daniele hält seinen Kopf hin und tatsächlich landen mehrere an ihm und auf ihm und um ihn herum.

Auf dem Rückweg halten wir auf der Brücke zwischen Argentinien und Brasilien und ich erfülle meine Touripflicht und stelle mich genau auf die Grenze. Im Hintergrund sieht man übrigens auch ein bisschen Paraguay. 

Mit den beiden Sambatänzerinnen rechnet auf dem BBQ offenbar keiner so richtig. Aber sie können wirklich wahnsinnig gut tanzen. Was glaube ich der einzige Grund dafür ist, dass die Jungs so starren...

Am nächsten Morgen starten wird recht spät. Wir fahren zur brasilianischen Seite des Nationalparks, machen einen weiteren Spaziergang, der uns erlaubt die argentinische Seite von gegenüber aus anzuschauen, und werden klatschnass von der Gischt der aufprallenden Wassermassen. Es ist atemberaubend. Wir fahren zurück nach Foz, bummeln durch die Stadt, die wenig zu bieten hat außer einem furchtbaren winzigen Weihnachtsmarkt und einer Menge kitschiger Weihnachtsdekoration. Abends gehen wir essen und auf dem Heimweg singt ein fünfzehnjähriger Justin Bieber-Verschnitt brasilianische Popsongs. Wir nehmen den Nachtbus nach Bonito.

Wir lassen es uns natürlich nicht nehmen, ein Gruppenfoto von uns machen zu lassen. Vorne links ist übrigens unser Guide Eddie, der uns noch bis La Paz begleiten wird. Hinten links ist das chinesische Pärchen, dass leider mit keinem von uns so richtig sprechen möchte, obwohl es fließend Englisch kann...

Hierunter haben wir am Vortag noch geduscht.

So viel Wasser.

Und noch ein Schmetterling, natürlich wieder auf Danieles Hand.

Bonito liegt am südlichen Rand des Pantanals. Wie der Name schon sagt ist es sehr schön hier. Die Stadt profitier immens vom Ökotourismus und innerhalb der nächsten zwei Tage wird mir klar, weshalb. Wir checken in unserm Hotel ein, packen unsere Sachen für den Tagesausflug und fahren über holprige Schotterwege in Richtung einer Quelle, durch die wird schnorcheln wollen. Der Boden zwischen den weiten Feldern, die vor allem für die Tierhaltung und den Sojaanbau genutzt werden, ist knallorange. Das liegt am Eisen. Kenn ich aus den Erdkundebüchern, find ich in live noch viel beeindruckender. Weil die Quelle nur in Kleingruppen durchschnorchelt werden darf, verbringe ich mit Caroline und Lucy den Mittag in den Hängematten der Ranch, von der aus wir später Zugang zum Wasser bekommen werden. Wir müssen uns Sonnen- und Mückenschutz abwaschen, damit wir die Quelle nicht verunreinigen, und ziehen dann unsere Wetsuits an. Mit dem Jeep fahren wir an den Rand eines Waldstücks, wandern eine gute halbe Stunde durch den Regenwald und steigen dann ins Wasser. Die Quelle ist glasklar und kühl. Die Strömung trägt uns etwa 3 km den Flusslauf entlang und wir sehen unendlich viele Fischschwärme. Am Boden spucken einzelne Ausgänge der Quelle Frischwasser aus und man hört nichts außer der ein oder anderen Luftblase oder einem tiefen Luftzug durch den Schnorchel, wenn einer von uns sich mal wieder daran erinnert, dass wir ja auch noch atmen müssen.

Der Boden steckt voller Eisen, das ihn so knallorange einfärbt

Das ist der Ema, der Strauss, der im Pantanal zu Hause ist. Gleich so viele zu sehen ist ziemlich besonders. Die sind nämlich ziemlich schüchtern.

Das ist Caroline in ihrer Hängematte. Sie ist nicht ganz so schüchtern.

Ryan, Bob, David, Lucy, Caroline und ich im Wasser. Ganz nett da, wo wir gerade sind.

Tags darauf leihen sich ein paar von uns Fahrräder aus, um zu einem weiteren natürlichen Pool zu radeln. Was sich in Eddies Schilderung nach einem gemütlichen Ausflug anhört, entpuppt sich bald als zehrendes Workout über den brasilianischen Schotter. Bei gleißender Hitze und auf ziemlich schlecht gewarteten Fahrrädern kämpfen wir uns Hügel hinauf und hinunter (was bei den Straßenkonditionen und der kaum vorhandenen Bremsleistung/Gangschaltung gar nicht mal so einfach ist). Einer der australischen Jungs überschlägt sich, weil er zu schnell den Hang runter rast. Außer ein paar Kratzer ist alles gut.
An der Quelle selbst rutschen wir mit der Zipline ins Wasser und springen vom 3-Meter-Brett. Wir trinken einen unserer letzten brasilianischen Caipirinhas und machen uns einen schönen Tag. Die Rückfahrt ist bei tiefstehender Sonne noch einmal ziemlich anstrengend. Ich schlafe schlecht, weil mir heißt ist und ich ein bisschen dehydriert bin. Am nächsten Morgen geht’s mit dem Bus ins Pantanal.

Zum Frühstück gibt es in Bonito wie überall Saft, Kaffee, Tee, Obst, fades Toastbrot mit Belag und Kuchen. Ja. Kuchen. Zum Frühstück.

Mein anglophoner Fahrradverein. Aidan außen rechts ahnt noch nicht, dass sein zartes vietnamesisch-australisches Gesicht gleich blutüberströmt und staubverschmiert am Straßenrand sitzen wird.

Der Moment nachdem David (hinter der Kamera sagt) 'Great. Now there's a fat white man in in the background.' und bevor ich meinen halben Caipirinha prustend auf Lucy spucke. Ist lustiger, wenn man (nach eine langen Radtour bei 39° dehydriert) schon den ersten Schluck getrunken hat.

Abkühlung am Sprungbrett.

Das brasilianische Sumpfgebiet gehört bereits zu Amazonien. Die Straßen werden immer schlechter, unzählige Schlaglöcher ruckeln uns aus unserem ohnehin schlechten Schlaf. Gegen Mittag kommen wir auf einem Platz mitten im Nirgendwo an. Unser Gepäck wird auf einen offenen Jeep geladen und aus unserer Anfahrt zur der Farm auf der wir die nächsten zwei Nächte schlafen, wird die erste Wildlife-Safari. Wir sehen Nagetiere, Störche und andere Vögel und genießen die Landschaft. In den nächsten Tagen finde ich mich unteranderem zu Fuß, zu Pferd (ohne Witz.) und wieder zu Jeep in der Wildnis wieder und sehe Tiere, die ich entweder noch nie oder schon länger nicht mehr gesehen habe.

Caroline und ich essen diese Kekse, weil wir furchtbar Hunger haben. Sie schmecken wie latschige Oreos.

Und haben, wie so vieles in Südamerika, einen politisch nicht ganz einwandfreien Namen.

Das ist übrigens ein Mangobaum. Steht hier an jeder zweiten Ecke.

Das ist ein Wasserschwein, das hier und an den meisten anderen Orten der Welt Capybara genannt wird.

Das ist die Familie des obigen Wasserschweins. Das Wasserschwein ist das größte Nagetier auf unserem Planeten und es sieht zu lustig aus, um nicht jedes mal wieder zu kichern, wenn es auftritt.

Zu Mittag das klassische: Fleisch, Nudeln, Kartoffeln und Reis (#triplecarbs) und irgendein Gemüse.

Es gibt auch Nachtisch, aber der schmeckt nach purem Zucker und wird nach kurzem Probieren von keinem von uns so richtig wertgeschätzt. Daniele und ich haben aber die Eistruhe entdeckt, in der es nur diese einfachen Eis-am-Stiele gibt. Meine Lieblingssorten sind Ingwer, Avocado und grüner Mais.

Das ist ein schwarzer Kaiman. Kaimane werden bis zu drei Meter groß. Hier im Pantanal gibt es vier Sorten. Der Schwarze wird am größten, der Gelbe ist am krawalllustigsten.

Diese Ziegen sind eigentlich Schafe ohne Fell. Ergäbe ja auch keinen Sinn. Is ja auch so schon warm genug.

Die Bäume hier im Pantanal sind entweder kurz und dick oder lang und dünn. Woran das liegt habe ich leider nicht rausgefunden. 

Bis hierhin stand das Wasser bei der höchsten Flut der letzten Jahre. In der Regenzeit überschwemmt der Fluss das Sumpfgebiet. Dann fliehen die Tiere auf die Inseln und die Menschen müssen durchs Wasser waten. Alex, der auch den Rest des Tages barfuß durch Sumpf, Wald und Prärie läuft, hat einen Freund, der letztes Jahr in der Regenzeit auf einen Kaiman getreten ist. Das war wohl nicht so schön.

Der Cowboy begleitet uns auch bei unserem Ausritt. Er beherrscht das Lasso ziemlich gut.

Das Kalb wird geimpft, bekommt etwas gegen Würmer und mit dem Messer eine Macke ins Ohrläppchen geschnitten.

Affen und Vögel essen die Früchte der Kletterpflanzen und scheiden dann die Samen auf den Ästen der Bäume aus. Die Kletterpflanzen freuen sich und schlängeln sich im Laufe ihres Lebens um den Baum herum nach unten. Dem gefällt das eher weniger, weil er dadurch weniger Nährstoffe abbekommt.

Auf der Ranch gibt es 2000 Kühe, die auf 4000 Hektar toben dürfen. Ich finde sie wahnsinnig schön.

Im Wald hebt Alex diese Nüsse auf und schneidet sie mit seiner Machete auf.

Dann reibt er sie mit etwas zwischen den Händen. Es entsteht ein weißer Schaum. 'Monkey Soap' nennen sie das im Pantanal und waschen damit zu gut wie alles.

Als wir abends von unserer Wanderung zurück zur Ranch kommen, sieht das so aus.

Störche sind das Symboltier des Pantanals. Sie stehen mit ihren schmalen Beinchen im Wasser oder laufen umständlich durchs Gras.


Das sind unsere Betten für die zwei Nächte im Pantanal. Meine Hängematte ist links die zweite von vorne. Ich hätte jetzt auch gerne eine Hängematte (zumal ich diesmal noch nicht einmal seekrank geworden bin), aber lieber für Mittagsschlaf als für nachts.

Diesen schwarzen Kaiman sehen wir auf unserer Jeepsafari. Ein Weibchen kann bis zu 60 Eier legen. Nach etwa 6 Wochen verstehen die Kaimane dann aber nicht mehr viel von Familie. Es wird gegessen, was gegessen werden muss, um zu überleben. Notfalls auch die eigenen Kinder.

Babykühe.

Mamakühe. So hübsch!

Mein Blick aus dem Jeep. Könnte mal wieder schlimmer sein...


Dass ich in meinem Leben noch mal auf einem Pferd sitzen würde, hat mich selbst überrascht. Das ist übrigens Segredo (Geheimnis), der ein bisschen eigensinnig ist, vorne weg läuft und viel isst. Eddie sagt, die Pferde passen meistens zu ihrem Reiter. Ich versteh nicht, was er meint.

Abends spielen wir gegeneinander Fußball. Ich schieße ein Tor und mache eine Vorlage. Auch das hat mich überrascht.

Wir schließen unsere Zeit in Brasilien mit einem Lagerfeuer und unserem allerallerletzten Caipirinha ab. Wir schlafen in unseren Hängematten und machen uns früh auf. Wir müssen an die bolivianische Grenze und hoffen, dass alle Mitglieder unserer Gruppe es auch darüber schaffen.

Warum wir bei 42° Außentemperatur ein Lagerfeuer machen wird erst klar, als es brennt und alle mit ihrem Caipi drumherum sitzen. Es ist einfach schön.