Freitag, 6. Dezember 2013

USA - Kailua-Kona

Beim Landeanflug nach Kailua-Kona fällt mir auf, dass Hawaii wirklich nur eine kleine Inselgruppe im Pazifik ist. Es geht schneller von New York nach Island, als von der Westküste nach Hawaii. Von oben (und im Dunkeln) sieht es aus, als würden leuchtende Ringe im Wasser schwimmen. Das liegt daran, dass drumherum Pazifik ist (natürlich.) und in der Mitte meistens ein Vulkan. Der Bundesstaat Hawaii ist nach der Hauptinsel benannt, die bei den meisten nur ,the big Island‘ heißt. Ich bin also quasi im einzig wahren Hawaii gelandet. Es ist warm. Und das erklärt auch, warum der Ankunftsbereich am Flughafen sehr gut ohne Dach auskommt. Wir sind der letzte Flug, der heute hier landet. Von zehn Uhr abends bis sieben Uhr früh ist hier Ruhe. Als ich zum Baggage Claim komme stürzen Roselia und Larry auf mich zu, legen mir eine Blumenkette um den Hals und drücken mich mit einem gutgelaunten ,Aloha‘ (natürlich.). Wir fahren durchs nächtliche Kona und zu Hause angekommen stellen mir die beiden Nani vor. Schon wieder ein Hund. Ich schlafe im Loft, Larry und Roselia im Schlafzimmer, dem einzigen Raum neben dem Badezimmer, der über eine Tür verfügt. Alles ist offen und als ich abends einschlafe höre ich die Brandung.

Larry und Roselia machen Bacon, Eggs und Pancakes. Ich schlafe aus.
Ich verstehe, warum ich abends die Brandung hören konnte
Das Haus steht direkt an der Küstenstraße. Der untere Eingang führt zu Roselias Praxis, der obere in mein neues Heim. 
Larry hat nen Vogel.
Die meisten Tage verbringe ich damit, am Strand rumzulungern, joggen zu gehen und auf der Veranda Mittagsschlaf zu machen. Ich passe mich Larrys Rhythmus an und frühstücke um acht, esse um zwölf mittag und um sechs zu Abend. Ein bisschen wie im Landschulheim. Dafür gibt es hier zum Frühstück Papaya und Maracuja und Mangos. Zu Mittag meistens ein Putenbrustsandwich und zu Abend irgendetwas, das Roselia oder ich uns aus dem Ärmel schütteln. Zu Larrys Leidwesen meistens ohne Fleisch. Dafür aber mit viel Gemüse und meistens auch mit frischem Fisch.

Larry und Roselia ziehen das Strandprogramm eiskalt durch.
Ihr Lieblingsplatz an ihrem Lieblingsstrand. Und Nani. 
ahjslgejwkdsfalkjdhfdnmngezrf!!!!!!!!!
Ich mag die Unterwasserfunktion von meiner Kamera
Strand Nummer zwei und ganz hinten ganz blass: Maui
Montags machen Larry und ich eine Fahrradtour entlang des Ali‘i Drives. Der ist gespickt mit historischen Orten. Die ersten polynesischen Siedler kamen vor etwas mehr als tausend Jahren nach Hawaii, weil sie den Sternen und den Vögeln hinterher gerudert sind. Weils auf den hawaiianischen Inseln so nett war, sind sie geblieben. Man glaubte, beziehungsweise glaubt, an Feuergötter, Wassergötter und deren Geschwister und erschloss sich nach und nach das Land. Ali‘i steht für ,royal‘ und das ergibt auch Sinn, denn früher durften an der Küste nur Mitglieder der Königsfamilie wohnen.

Dieser Heiau (hawaiianisch für Tempel) soll die Surfgötter beschwichtigen. Surfen wird hier übrigens auch ,Sport der Könige‘ genannt. Wenn früher ein Bürgerlicher beim Surfen erwischt wurde, konnte er zum Tode verurteilt werden. Und man ist nackt gesurft. Was ,hang loose‘ wiederum eine ganz besondere Bedeutung zukommen lässt...
Irgendwann kamen die Missionare nach Hawaii (natürlich.) und missionierten. In dieser klitzekleinen Kapelle finden heute noch regelmäßig Trauungen statt.
Auch das ist ein heiliger Tempel. Wie man sieht, wussten die frühen Inselbewohner, sich die Unmengen an Lava irgendwie zu Nutze zu machen. 
Bauch rein, Brust raus!
Weil Larry einkaufen muss und das immer etwas länger dauert, weil Conrads nur bestimmte Marken und meistens Bio kaufen, und Larry dementsprechend zu fünf bis sechs unterschiedlichen Geschäften fährt, erkunde ich die Gegend allein. Der Ali‘i Drive hat zwei öffentliche Strände, die beide ungefähr sieben gelaufene Minuten vom Haus entfernt sind. 

Magic Sands heißt so, weil im Winter der Sand verschwindet und zum Sommer wieder kommt.
Findste?
Wahrscheinlich aus dem Macy's in San Francisco...
Die raue Lava sieht so aus, weil ganz viel Gas eingeschlossen war, als der Vulkan sie ausgespuckt hat. Auf ʻŌlelo Hawaiʻi (der hawaiianischen Sprache) heißt das Aʻā. Hihihihi.
What?
huiiiiii
Mittwochs hat Roselia nur zwei Patienten in ihrer Ostheopathiepraxis. Mittags fahren wir zum Coffee Shack in die Anhöhen um dort zu essen. Es gibt Sandwiches und für mich noch ein Stück Lilikoi-Cheesecake. Lilikoi ist nichts anderes als der hawaiianische Name für Maracuja. Danach fahren wir in die Peace Gardens. Das ist ein Garten, in dem alle Religionen harmonisch nebeneinander leben. Oder einen Schrein haben oder so. Obwohl ich mit dem Inhalt nicht ganz so viel anfangen kann, finde ichs schön. Außerdem habe ich noch nie zuvor einen Grapefruitbaum, einen Maracujabaum, einen Avocadobaum, geschweige denn einen Sternfruchtbaum gesehen.

Larry und Roselia packen Nani und mich auf die Rückbank und los gehts.
The Coffee Shack sitzt mitten zwischen in den Kaffee-Plantagen Konas. Das könnte mir egal sein, weil ich Kaffee ja nur so mittel finde, aber der Ausblick ist super.
Kohlehydrate, Fett, Kohlehydrate, Fett, Lilikoi.
Unsere Galaxie als Blumenbeet. Ich vermute, man erkennt das besser, wenn man von oben guckt.
Das ist keine Schokopraline. Leider. Dafür eine Macadamianuss, die ich später knacken darf.
Die Mitte des meditativen Labyrinths der Urhawaiianer. Ich schummle. Weil über die Grenzen trete und dabei heimlich nicht meditiere.
Roselia, Larry und der Grapefruitbaum.
Roselia und Larry sind große Freunde nicht ganz so natürlicher Photos. Die Blume muss rechts, weil ich ja immer noch nicht verheiratet bin.
Der Donnerstag ist ein besonderer Tag. Es ist Thanksgiving und wir sind bei einer Bekannten von Roselia eingeladen. Die wohnt in einem Millionen teuren Anwesen in den Anhöhen und ihre Mann und ihr Nachtbar haben versprochen, sich um den Truthahn zu kümmern. Wir bringen Kartoffelpüree, Pumpkin Pie und Zimtschnecken mit.

Roselia und Larry skypen mit ihren Anverwandten auf dem Festland.
weil meine Zimtschnecken am längsten dauern, darf ich als erstes die Küche in Beschlag nehmen.
Und das ist das Resultat. Ich fand sie ein bisschen trocken, Roselia hat die Reste noch eine Woche lang morgens in ihren Kaffee getunkt und mich beauftragt, vor meiner Abreise nochmal welche zu backen, die sie einfrieren können. 
Die Männer haben ihn Irene getauft. Auch Irene fand ich etwas trocken, obwohl sie für einen steinreichen Haushalt gestorben ist...
Als ich ein Photo von den Frauen mache, wie sie die Bratensoße anrühren wird mir bewusst, dass ich mein erstes Thanksgiving tatsächlich mit sechs Menschen über sechzig verbringe.
Meine Strategie: wenig Hauptspeise (denn davon haben mir eh nur Roselias Mashpotatos geschmeckt), und dafür viel Nachtisch (ein Stück Pumpkin Pie, ein Stück Obstkuchen, zwei Zimtschnecken und ziemlich viel Schlagsahne)
Man hat einen ,Lappool‘ auf der Terrasse, damit man mit Blick auf die Küstenlinie auch ja ganze Bahnen schwimmen kann.
Freitags erholen wir uns vom Thanksgiving essen. Roselia geht zum Yoga, ich mache Workout und lungere auf der Terrasse rum. Dann fahren wir in den Norden der Insel, wo mich die beiden King Kamehameha I vorstellen, Larry und ich uns durch die Samples einer Macadamiafabrik futtern und wir danach Sushi essen gehen. 

Spam ist Trockenfleisch und das hier dementsprechend Macadamianüsse mit Trockenfleischgeschmack. Voll eklig.
Weil ich in Kalifornien keine großen Bäume gesehen habe, komme ich wenigstens hier auf meine Kosten. 
King Kamehameha I war der erste (natürlich.) König des vereinten Hawaiis. Bevor es dazu kam hat erfolgreich den König von Maui ermordet und den Haien zum Fraß vorgeworfen. Hawaiianisches Mittelalter...
Samstagsmorgens fahren wir um halb sechs nach Hilo auf die Ostseite der Insel. Warum Nani und Puiva (der Vogel...) mitfahren müssen ist mir nicht ganz klar, aber vielleicht ist es nur so ein echter Familienausflug für die beiden. In Hilo gehen wir frühstücken, auf den Farmers Market und fahren zu Sheila. Diese wiederum ist eine weitere Freundin von Roselia, die auf ihrer eigenen Biofarm wohnt, Macadamianüsse anbaut und neben den Früchten, die in den Peace Gardens vorkamen, auch noch Bäume mit Pomelos und einer Fusion aus Orange und Mandarine hat. Auf dem Rückweg halten wir noch an einem der letzten nicht entwickelten Tälern Hawaiis, in dem die Menschen tatsächlich noch so leben, wie vor der Invasion aus dem Osten. Wir bleiben am Aussichtspunkt, weil der Abstieg abgefahren steil ist und mindestens zwei Stunden dauert.

Roselia kauft das Weihnachtsgeschenk, das sie von Larry bekommen wird.
Tangerella-Pflücken auf Sheilas Farm
Sheilas Farm.
Der Raver unter den Tropenfrüchten schmeckt ein bisschen wie Litchi und hat einen Namen, den ich mir leider nicht merken kann.
Versteh ich nicht so richtig...
In das Dorf darf man nicht, an den Strand schon, aber der war zu weit weg.
Sonntags gehen Roselia und ich zum Schnorcheln an das Riff am Ali‘i Drive. Nachdem ich beim ersten mal Schnorcheln mal wieder seekrank geworden bin (?!) klappt es mit Larrys Flossen und meiner Kamera bewappnet deutlich besser. Ich habe Glück. Auch hier wohnt eine Schildkrötenfamilie, die sich nicht abschrecken lässt. Und außerdem auch kunterbunte Fische in gelb und bunt und regenbogen

 Warum ich Schnorcheln nur manchmal richtig klasse finde ist, weil ich jedes mal Wasser in den Schnorchel bekomme. Und der blöde Tipp, dass man dann einfach feste ausatmen soll, klappt auch nie.
Als ich in der zweiten Klasse war, hätte ich für die Einführungsfeier der neuen Erstklässler die Rolle des Regenbogenfischs spielen sollen. Ich wurde dann durch Lisa ersetzt, weil ich mich nicht genug bewegt habe. Heute weiß ich: ich war authentisch. Die lassen sich einfach am Boden entlang treiben. Den ganzen Tag lang. 
Abendessen in Kailua.
downward facing turtle.
Auf den Montag habe ich mich schon die ganze Zeit gefreut. Larry und ich fahren zum Vulkan! Der liegt etwa eineinhalb Stunden südöstlich von Kona und bildet unter anderem den südlichsten Punkt er Vereinigten Staaten. Hawaii ist übrigens erst 1959 Bundesstaat geworden. So wie Alaska, das im Januar desselben Jahres amerikanisch wurde.

zweiunddreißig geschafft, dreiundsechzig to go
Der Dampf ist riecht gar nicht nach Schwefel. Und ist warm. Und mir danach sehr kalt. Und die Sonne hat auch keine Lust.
Leider ist im Moment keine strömende Lava zu sehen. Aber der Krater. Und viel heiße Luft. 
Weil Larry gerne nascht, halten wir auf dem Rückweg nach Kailua bei der südlichsten Bäckerei der Staaten.
 Ich esse ein Vanille-Macadamia-Eis, Larry kauft zwölf (!) Malasadas. Die haben zwar einen schicken portugiesischen Namen, sind in Wirklichkeit ganz normale Kreppel. 
Dienstagabends überraschen mich die beiden und wir gehen zu einem Lu'au. Das ist eigentlich was wahnsinnig Hawaiianisches. Man trifft sich, isst wahnsinnig viel, singt, tanzt Hula und sitzt beieinander. Wir bekommen heute die volle Touristendröhnung. Es gibt einen Hulaworkshop, einen Workshop dazu, wie man aus einem Kokosnussblatt einen Fisch faltet, einen Jonglier-Workshop und Tattoostempel. Roselia, Larry und ich entscheiden uns dazu am Tisch sitzen zu bleiben und Mai Tais zu trinken. Nach dem Essen (Larry und Roselia sind enttäuscht, ich finde aber genug Sachen, die mir gut schmecken) bekommen wir eine Tanzvorführung mit allen traditionellen polynesischen Tänzen, die wirklich beeindruckend ist, und dann ist der Spaß auch schon wieder vorbei. 

lieber Mai Tai als Hula...
lieber Touris gucken... 
...als Kokosfischefalten
die inszenierte Ankunft King Kamehameha I an genau dem Strand, an dem unser Lu'au stattfindet. Das ist wenigstens wirklich passiert.
Die Liveband verwöhnt uns zunächst mit hawaiianischen Weihnachtliederversionen, aber später auch mit wirklich guter polynesischer Musik (wie polynesisch die Musik war, kann ich natürlich nich so gut beurteilen. Aber sie klang gut. Und irgendwie polynesisch.)
Mittwochs machen wir uns wieder einen Strandtag, denn Larry und Roselia sind der Ansicht, dass ich vor Tokio vielleicht nochmal eine Runde entspannen sollte. Am Donnerstagmorgen um fünf stehe ich auf, wir fahren zum Flughafen und ich fliege erst nach Honolulu auf Oahu und dann weiter nach Tokio.

Mahalo, Hawaii!

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