Montag, 11. November 2013

USA - Seattle Portland Klamath Falls

Weil es hieß, bis Anfang dieser Woche würden sie das Ergebnis meiner Masterarbeit eintragen, konnte ich weder Sonntag noch Montag noch heute morgen sonderlich gut ein- oder ausschlafen. Heute habe ich es bis um sechs Uhr geschafft. Dann habe ich mich noch eine Stunde lang im Bett herumgewälzt (zu Verenas großer Freude, die über mir geschlafen hat) und gegen sieben habe ich mich endlich getraut, meine Emails zu lesen. Dann hätte ich eigentlich laut aufschreien wollen (aber die anderen haben ja noch geschlafen), habe stattdessen einfach kurz geweint (weil ich total rational und selbstbeherrscht bin.). Ich habe bestanden. Und das großartige ist: Ich muss meine Reise noch nicht vorzeitig beenden.
Annie, Verena und Ich laufen gemeinsam zur Haltestelle. Annie fliegt zurück nach München, Verena braucht eine Bluse für ihre Bewerbungsgespräche und ich fahre zur Greyhoundstation, um den Bus nach Seattle zu bekommen. Die Fahrt ist mal wieder ziemlich verregnet und der Bus ganz schön leer. Trotzdem brauchen wir an der Passstation über eine halbe Stunde und kommen dementsprechend spät in Seattle an. Dort warten Flo und Eric auf mich. Mit Flo werde ich die nächsten zwei Wochen unterwegs sein und bei Eric werden wir die nächsten zwei Nächte wohnen.

Als ich nach fünfeinhalb Stunden die Skyline von Seattle entdecke finde ich, dass das Zeit ist, Macklemore anzumachen. 
Eric zeigt Flo und mir seine Nachbarschaft und wo es leckeren Gin Tonic (und gutes Essen) gibt.
Am nächsten Morgen nimmt uns Eric mit in die Uni. Er unterrichtet am Deutschen Institut der University of Washington und heute sind wir seine 'Show&Tell'-Objekte im German 201 Kurs. Danach fahren Flo und ich in die Innenstadt, essen zu Mittag und schlendern am Wasser entlang und dann über den Pike Place Public Market. Seattle ist hübsch, ein bisschen kalt und bewölkt, aber es gefällt mir.  Unser Lieblingsgeschäft am Public Market ist 'Bavarian Meats'. Hier verkaufen echte Bayern echtes Importfleisch. Wir gehen rein. Es läuft irgendein Hit von irgendeiner Schlagerfrau. Irgendwas mit blauen Augen, Prinz und Liebe. Es gibt eine lange Fleischtheke, ein Regal mit Knorrtütensuppen, ein Regal mit Haribo und Ritter Sport und eine Riesencharge Gewürzgurken (natürlich.) In der Markthalle selbst kaufen wir für einen Salat ein, denn heute Abend koche ich für die zwei Kerle.
Eric erklärt mir, dass das Gebäude der deutschen Fakultät schon stand, bevor Washington ein Staat war.
er sie es nahm, er sie es wird nehmen, er sie es nähme, er sie es nehme, er sie es wird genommen haben.
Den Pike Place Public Market gibt's schon seit 1907. 
Das Eis gabs deutlich kürzer. Hat aber super geschmeckt. 
Flo glaubt, dass das sicherlich das Erste wäre, was er im Ausland vermissen würde. Knorrtütensuppen.
Wir entscheiden uns gegen Seafood. Dafür kommen in meinen Salat Avocado, (gebratener) Rosenkohl, Tomaten, Trauben, Salat (natürlich.) und Frühlingszwiebeln. 
Der Donnerstag schreit förmlich nach einem Pausentag, als ich nach dem Aufwachen aus dem Fenster gucke und es in Strömen regnet. Das ist okay. Weil ich ja jetzt weiß, dass ich meine Masterarbeit nicht nochmal schreiben muss, nutze ich den Tag um meine Referendariatsangelegenheiten zu regeln, im Internet zu plänkeln und rumzuhängen. Flo nutzt die Pause um zu lernen. Am späten Nachmittag treffen wir Eric in einem Café nahe des Greyhoundterminals. Heute Abend geht es noch viereinhalb Stunden nach Portland.

Flo dachte, er müsse mich herausfordern und wollte wissen ob ich all fünfzig Staaten aufsagen kann. Ich wusste achtundvierzig. Kansas wusste er und auf Wisconsin sind wir gekommen, weil er nicht mehr wusste, ob Milwaukee der Staat oder die Stadt war.
Portland ist weniger verregnet als Seattle. Das ist schonmal gut. Ich fange den Tag an, in dem ich erstmal Wäsche wasche. Flos blöder blauer Pulli verwäscht alles, was weiß war. Aber weil ich ja Backpackerin bin (und hart im nehmen. natürlich.) ist es mir überraschend egal. Nach dem Mittagessen laufen wir in die Stadt, entlang des Willamette Rivers und ein bisschen durch die Fußgängerzone. Es ist sehr hübsch. Die Architektur und das Gefühl der Stadt finde ich noch besser als Seattle, aber Vancouver ist bisher nicht zu schlagen. Wir haben Glück. Es regnet nur kurz und als es dunkel wird sehen wir die Wolken ja eh nicht mehr.

Obwohl Ken's Brot vielversprechend aussieht, ist es auch nicht viel besser als das, was man hier sonst so bekommt. Flo entscheidet sich zum Frühstück für ein Rosinenteilchen, ich nehme ein Stück Quiche.
der graue Himmel macht nur, dass die Häuser noch bunter aussehen.
Nur Minis, damit noch platz für Donuts ist.
Natürlich hat es genau geregnet, als wir anstanden. Und dann mussten wir beide zugeben, dass es das noch nicht mal richtig wert war. Voodoodonuts sind nicht die leckersten Donuts der Welt.
Und unser heutiges Bilderrätsel mit der Frage: Hipster oder Homeless? 
So grün wie das Fahrrad will auch die ganze Stadt sein. 
es dämmert bereits um halb fünf.
schon ein kleines bisschen Weihnachten auf Portlands Straßen.
Der schönste Nike-Store in dem ich bisher war schützt uns vor Portlands abendlichen Regentropfen.
Am nächsten Morgen fahren wir vom Hostel aus zum Flughafen. Für die nächsten vier Tage reisen wir mit einem Mietwagen, weil es in die Walachei Oregons geht. Es dauert etwa eine Stunde um mit dem Bus von Portland an den Flughafen zu kommen. Dafür kostet der Trip nur 2,50$. Am Flughafen selbst müssen wir wiederum in ein Shuttle umsteigen, aber dann läuft alles wie geschmiert. Unser Auto ist grau (was mich sehr freut) und hat einen Allradantrieb (was Flo freut, und wovon ich nicht ganz genau weiß, was es bedeutet.) Nach dem Mittagessen laden wir unser Gepäck ein und fahren sechs Stunden lang schnurgeradeaus, bis wir bei Dunkelheit die Lodge erreichen, in der wir die nächsten drei Nächte verbringen werden.

das Hostel in Nordwest Portland 
Warum ich kurz gezögert habe, als der Mann von der Autovermietung gefragt hat: 'Do you have any bags or luggage?' ist mir im Nachhinein auch nicht mehr so ganz klar.
 Ich finds hübsch, Flo findets langweilig.
In Klamath Falls ist endlich wieder schönes Wetter. Meine Ansprüche sind seit Kanada etwas höher und ich erwarte, dass auch der Herbst gefälligst sonnig zu sein hat. Nach dem Frühstück machen wir einen langen Spaziergang an den Upper Klamath Lake. Die Landschaft ist ganz anders als noch in Kanada. Viel trockener. Überall sind wilde Kräuter, vor uns springt ein Rehrudel in die Büsche. Es gibt unendlich viele Vögel mit leuchtend gelben Bäuchen und auf dem See schwimmen ungefähr Millionen Enten. Danach entscheiden wir uns, es mal so richtig classy anzugehen. Wir versuchen zu Walmart zu fahren, gehen zwischendrin mehrfach verloren und stärken uns dann auf dem Parkplatz des Burger Kings im Drive-Thru Pommes und Cola. Klasse.

Weil unser Vehikel nicht autorisiert ist, parken wir und laufen ab hier.
Die Zwei! Erst weglaufen und dann so lange gucken, bis ich auch ja ein Photo von ihnen gemacht habe.
Alles vulkanisch. Hab ich gleich erkannt. Ich hab schließlich mal Geographie studiert.
An den Steinen links sieht man, dass das Wasser manchmal höher steht. Der Pegel variiert mit bis zu drei Metern. 
Einmal vier Liter Mayo, bitte.
Montagmorgens scheint wieder die Sonne. Wir packen Snacks ein und fahren eineinhalb Stunden lang in den Norden. Flo fährt, ich bin noch zu klein. Der Crater Lake National Park sieht schon auf der Karte verblüffend aus. Der See ist kreisrund und scheint ziemlich groß zu sein. Schon nach der Hälfte der Strecke verändert sich die Prärie in eine Waldlandschaft, mit bemerkenswert hohen Nadelbäumen und schluchtartigen Canyons neben der Fahrbahn. Bald darauf halten wir zum ersten Mal an und sehen: echten Schnee. Irre. Der Crater Lake selbst ist auch ein bisschen abgefahren. Er ist im Schnitt dreihundertfünfzig Meter tief und hat keine Zuwege sondern nur steile Hänge. Und er liegt einfach so da und spiegelt das Blau des Himmels. Hach. Morgen fahren wir dann weiter nach Kalifornien. Die erste Station: San Francisco!

Vor einigen hunderttausend Jahren hat der Vulkan seine Lava auf einen Fluss geschmissen. Weil das Wasser dann wieder an die Oberfläche wollte und wahnsinnig heiß war, sind die Sedimente entlang der Wasserdampfschlote zu solchen lustigen Zipfelmützen verbacken. Das lockere Zeug drumherum ist nach und nach erodiert worden.
Der Crater Lake ist entweder der siebtiefste oder der neunttiefste Süßwassersee der Staaten. Je nachdem, ob man nach durchschnittlicher Tiefe oder maximaler Tiefe geht. Ich weiß aber nicht mehr, wie herum das war...
Das praktischste Wanderoutfit, das ich finden konnte.
Eschter Schnee!

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