Montag, 4. November 2013

Kanada - Victoria Tofino Vancouver

Ich treffe Ryan an der Bridgeport Station, von wo aus wir einen Bus zum Ferry Terminal nehmen. Dort setzen wir dann nach Swartz Bay über, steigen wieder auf den Stadtbus um und fahren nach Victoria. Es ist so sonnig wie die Tage davor, aber ein bisschen wärmer. Wir beide fanden Vancouver atemberaubend schön und Ryan fährt von Victoria auch noch mal zurück. Als wir aber mit dem Schiff durch die Insellandschaft vor Vancouver Island fahren drehen wir uns mit offenen Mündern im Kreis, weil wir nicht wissen, wo wir zuerst hinschauen sollen. Kanada kanns nich lassen.

für den Weg von Vancouver nach Victoria hauen wir inklusive Fähre schlappe 21$ hin.
Der Sonnenschein ist trügerisch. Jetzt hab ich ein wenig Schnupfen.
So schön, so kalt.
Als wir nach ungefähr drei Stunden Fahrt in Victoria ankommen, trennen Ryan und ich uns kurz, weil wir in verschiedenen Hostels wohnen. Um vier holt er mich ab. Mein Hostel liegt direkt am Wasser und Ryan und ich bummeln durch die Stadt, essen Fish & Chips im Sonnenschein, laufen am Hafen entlang und gucken den Sonnenuntergang. Und manchmal hüpfe ich anstatt zu laufen, weil's mir so gut gefällt.

Das Parlamentsgebäude erinnert Ryan an irgendwas in Europa. 
Die Brücke erinnert mich an ein Pferd.
Der Hafen ist zwanzig Schritte vom Hostel entfernt. Das find ich prima. Und den Hafen selbst auch.
Die Sockel sind nicht so schön. Der Sonnenuntergang schon.
Am nächsten Morgen treffen Ryan und ich uns an der Bushaltestelle und fahren zum Mount Douglas. Nach einer dreiviertelstündigen Busfahrt wandern wir eine gute Stunde auf den Gipfel, picknicken dort und genießen die Sonnenstrahlen. Es ist ist beeindruckend. Ich denke, der Grund, aus dem ich Wandern plötzlich nicht mehr ganz so furchtbar doof finde, ist, dass ich hier eigentlich hundertprozentig davon ausgehen kann, dass man oben was schönes zu sehen bekommt. Abends sitze ich mit Sabine aus Bayern, Heiko aus Sachsen und einem Kerl, von dem ich glaube, dass er Reto heißt und dass er aus der Schweiz kommt, zusammen und wasche nebenher meine Wäsche. Zwei Wochen ist es her, dass ich das zum letzten mal gemacht habe und plötzlich weiß ich den Geruch von Waschmittel unheimlich zu schätzen.

schön
Schön
Während Ryan und ich uns an den Wanderweg halten, klettert Pandi lieber über die Felsen nach oben. Der Rebell.
Ein Stückchen Frankreich für 5.95$ und ein Stückchen Ryan für umsonst... 
Ryans Touri-Shot diesmal sogar wirklich nicht gestellt.
Am nächsten Morgen muss ich in Windeseile meine Sachen packen, Heiko ist so nett, mein Frühstücksgeschirr zu spülen, als er sieht, wie ich in und um die Küche herum wirbele. Um viertel nach acht fährt mein Bus nach Tofino in den Norden. Mit mir steigt auch Verena in den Bus. Sie kommt aus Warendorf bei Münster und will auch nach Tofino. Während ich vor Ekstase sogar noch eine Nacht in Victoria hätte bleiben können, hat sie so richtig genug. Der Bus fährt gute sechs Stunden lang. Von der eigentlich beeindruckenden Landschaft bekommen Verena und ich wenig mit. Erstens ist es neblig und regnet, zweitens verbringen wir den Großteil der Fahrt im Halbschlaf. In Tofino selbst ist außer Schmuddelwetter wenig los. Wir entscheiden uns, im Supermarkt einzukaufen, um vier anzufangen unser Abendessen zu kochen und dann im Hostel rumzulungern.

Der Tofinobus hat einen sehr netten Busfahrer. Unsere Mitfahrer sind ein bisschen komisch.
Mittag am Ende der Welt. 
Rumlungern am Gasofen des Hostels macht noch mehr Spaß als einfach so rumlungern.
Verena und Jo (aus der Schweiz) plaudern über Jos Whale-Watching-Trip.
Donnerstags klingelt Verenas Wecker um acht. Ich brauche ewig um in die Pötte zu kommen, Verena frühstückt im Hostel und dann ziehen wir durch den Nebel Tofinos los um mit dem Boot zu den heißen Quellen im Maquinna Marine Park zu fahren und mit ein bisschen Glück ein paar Wale zu sehen. Wir haben Glück. Ein paar mal. Gutes Gefühl.

Scott fährt. Weil er seit dreißig Jahren im Geschäft ist, vertraue ich ihm auch, als wir im 45° Winkel auf dem Wasser liegen.
Das ist ein Grauwalrücken mit einer Grauwalfontäne 
und gerade als ich denke: 'Ha! Kanada! Manchmal bist doch nicht so schön.' reißen die Wolken auf.
Am Dock angekommen laufen wir über einen Steg zu den Quellen. Der Steg ist etwa einen Meter breit und vierzig Minuten lang.
Die Quellen sehen super aus, riechen aber direkt am Wasserfall ein wenig nach Schwefel. Das ist ein bisschen eklig.
Mittagspause mit Ausblick. (natürlich.)
Am Anfang ist es ein bisschen zu warm. Dann geht's.
Auf dem Rückweg ziehts sich wieder ein bisschen zu. Ändert nichts daran, dass es hübsch aussieht.
Tags darauf regnet es schon morgens. Annie, die ich bereits im Hostel in Victoria kennen gelernt habe, ist nach Tofino gekommen und Verena und ich lernen über sie die Österreicherin Lisi kennen. Zu viert frühstücken wir, machen einen Ausflug zum Strand, suchen nach Bären, werden klatschnass und frieren bis auf die Knochen. Den Rest des Tages verbringen wir im Hostel, genießen den Ausblick, kochen zusammen zu Abend und quatschen bis um halb elf mit allen anderen, die hier im Hostel wohnen. Das ist sehr gesellig. Und weil die meisten allein reisenden Männer zum Surfen hier sind, haben sie ihre Akustikgitarren dabei und schrummeln bis elf vor sich hin (natürlich.). Dann gehen alle ins Bett.

Der Nebel ist nur der Vorbote für den Sturm in der Nacht.
Weil Annie Bio studiert hat, erklärt sie uns, dass die Braunalge der Vorläufer für Pflanzen mit Wurzeln an Land sind. 
Lisi, Verena und Annie am Long Beach. 
Auf der Suche nach Bären finden wir tote Seesterne...
und eine tote Robbe.
Lisi hat uns überredet, noch eine Nacht dranzuhängen. Der Sturm der Nacht weht am Morgen die Wolken weg und weil Lisi eigentlich einen Surfkurs machen will fahren wir zu viert mit ihrem Auto an den Strand. Als wir dort ankommen weht der Wind auflandig, die Sonne scheint. Annie, Verena und ich spazieren ein bisschen am Strand auf und ab und bald stellt sich heraus, dass Lisis Kurs ausfällt: der Wind ist zu stark. Wir warten bis sie sich aus ihrem Wetsuit befreit hat und machen dann einen wunderschönen, langen Spaziergang am Strand entlang. Zu Mittag kehren wir in Tofinos einziger Bäckerei ein und essen Pizza. Es ist noch mal richtig warm geworden. Und weil ich Wandern ja jetzt super finde, freue ich, dass wir abends nochmal einen zwanzigminütigen Spaziergang an einen anderen Strand machen, um dort den Sonnenuntergang zu gucken.

Lisis Surfkurs weiß noch nicht, dass heute nichts geht.
weil Annie überraschend viel über Meeresbio weiß, bin ich motiviert abends auch mal was zum Thema kanadischer Küstengeomorphologie zu lesen.
Teambuilding-Activity: Verenas und meine Schuhe wollen nicht so gerne nass werden, deshalb helfen wir uns gegenseitig über die breiteren Wasserstellen.
Weil wir niemanden ausschließen wollten, durfte der Hund auch aufs Bild. Er hatte vorher höflich gefragt.
Gottseidank hat es sich heute Abend nicht mehr zugezogen.
Und gottseidank geht die Sonne heute auch tatsächlich wieder unter.
Ich fühle mich bestätigt, als ich lese, dass es irgendjemandem vor mir auch schon mal so ging.
Unser letzter Morgen in Tofino ist sonnig, wie man sich das so wünscht. Nach dem Frühstück schnallen wir unser Gepäck auf unsere Rücken und laufen zum Tofinobus-Terminal. Ich finde meine Sonnenbrille nicht. Natürlich. Und weil ich sie das letzte mal auf dem Weg von Victoria nach Tofino dabei hatte, denke ich, dass es einen Versuch wert ist, mal beim Tofinobus-'Lost&Found' nachzufragen. Weil heute ein guter Tag ist findet der Mann vom Tofinobus-Kundenservice sie und wiedervereint steigen wir ein um nach Nanaimo zum Fährenterminal zu fahren. Von dort aus setzen wir zum Horseshoebay über und fahren mit dem Stadtbus zurück nach Vancouver. Sechseinhalb Stunden dauert der Spaß. Annie schläft im Samesunhostel, Verena und ich buchen uns gegenüber im Hi-Hostel ein. Um kurz nach sieben holt mich Glen, der nette Neuseeländer von letzter Woche, zum Abendessen ab.

Frühstück in Tofino
Zum Glück hatte der 7/11 neben dem Couple-Traveler-Lid oder dem Family-Traveler-Lid auch noch einen Teebecherdeckel, der auf meine Situation als Alleinreisende zutrifft.
Mittagsschlaf auf dem Sonnendeck
Sonnenuntergang im Pazifik.
Glen hat die Spitzenidee ins Revolving Restaurant zu gehen. Ich hatte einen Riesling, aber Glen hat sich einen Gewürztraminer bestellt. Und ich weiß nicht mehr, ob seine Aussprache beim Bestellen lustiger war oder die des kanadischen Kellners, als dieser ihn serviert hat. Klasse Wort. Gewürztraminer.
Die Hi-Hostels sind im Allgemeinen ziemlich gut. 'Hostelling International' ist eine Organisation, zu der auch die Deutschen Jugendherbergen gehören und deren Mitgliedsherbergen Steuervorteile genießen (weil non-profit) und deren Gäste genießen, dass entsprechende Hygienestandards vorherrschen. Annie freut sich dementsprechend, als sie am nächsten Morgen aus dem Samesun-Hostel zu uns zieht. Verena trifft sich mit einem Freund um ihren Lebenslauf zu überarbeiten und sich um einen Job zu bemühen. Annie und ich bummeln durch die Stadt, essen zu Mittag, lungern im Hostel rum und gönnen uns dann einen Termin im Salon. Wir lassen uns unsere Fußnägel anmalen. Abends treffen wir Verena und Glen zum Sushi essen und zum Abschied gibt es nochmal eins von diesen fantastischen Cold Stone Icecream Eisen. Morgen früh fahre ich dann mit dem Greyhoundbus nach Seattle. Kanada (falls das bisher noch nicht ganz deutlich geworden ist) hat mir ganz schön gut gefallen.

Annie überlegt, wie viel Salzpäckchen sie in ihre Suppe schütten soll. Am Ende sind es etwa zehn. 'Das mit den Spices haben sie hier wirklich nich so raus.'
Gathering auf der Hauptstraße
Der Beweis, dass Glen weg von den Bohnen ist.
Wir sehen alle so mittel glücklich aus. Dabei war es wirklich ein schöner letzter Abend.

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