Mittwoch, 16. Oktober 2013

USA - Philadelphia

Der Sonntagmorgen beginnt nicht nur um 6.30 Uhr, sondern auch mit der Erkenntnis, dass ich ab jetzt wieder für eine Zeit ein bisschen alleiner unterwegs sein werde. Ich muss so früh aufstehen, weil ich um 7.15 den Zug an die Penn(sylvania) Station nehmen muss (wie passend, fahre ich doch nach Philadelphia). Alles läuft glatt, ich verbringe eine halbe Stunde am AmTrak-Warteterminal, bevor ich in den Zug nach Philadelphia steige. Darin sitzt mir Sam gegenüber. Er kommt aus Baltimore, hat in Harvard seinen Bachelor gemacht und arbeitet jetzt in New York für eine Firma, die den Amis das Wählen erleichtern soll. Klingt gut finde ich. Eineinhalb Stunden später komme ich in Philadelphia an. Der Bahnhof sieht unglaublich schön und alt aus, liegt aber leider nicht sonderlich zentral. Mit der U-bahn fahre ich zum Hostel, stelle mein Gepäck ab und mache mich auf den Weg. Ich laufe zum Redding Terminal Market, zu Penns Landing und die South Street hoch und runter und werde dabei den ganzen Tag mit strahlendem Sonnenschein verwöhnt. Abends treffe ich Rémi, Yoann und Adrian, drei Jungs aus Marseille, denen ich tagsüber noch den Weg zum Hostel erklärt habe, und wir spielen Kicker und quatschen über Geographie (die sie studieren und ich studiert habe (HA!)) und trinken (ein dreiviertel) ekliges Ami-Bier, das es umsonst gibt, weil Filmabend ist.

Strahlender Sonnenschein, die Independence Hall und ich.
Weil Nele ja jetzt nicht mehr da ist, muss ich wieder Photos von gebackenen Sachen machen.
Der Redding Terminal Market hat alles, was man sich wünschen kann und ist dazu auch noch günstiger als die meisten Supermärkte in der Stadt
Penn's Landing am Delaware River 
mit echten Segelbooten
und echten Piraten
Die South Street ist eine Fusion aus Prenzlauer Berg (Vegane Restaurant, Ökoläden), Herbertstraße (ein Sexshop nach dem anderen), Frankfurter Bahnhofsviertel (multikulturelle Gatherings) und der Mainzer Neustadt (Pseudo-Oma-Cafés und glückliche Familien).
Am nächsten Morgen ist schon wieder schönes Wetter. Ich jogge 5 Km durch die Stadt, schaue mir während meines Workouts nochmal die Segelboote am Delaware River an und frühstücke nach dem Duschen in der Hostelküche, wo ich Linda, eine ältere Dame aus New Mexico kennenlerne. Sehr nett und interessiert und vor allem selbst sehr interessant. Dann mache ich mich auf den Weg, weil ich mir fest vorgenommen hatte, in das Museum Jüdischer Geschichte zu gehen. Es hat natürlich zu. Das hat ja letzte Woche schon so gut geklappt. Stattdessen höre ich mir ein Orgelkonzert an und lungere mich danach auf den Stein gegenüber der Independence Hall in die Sonne und esse zu Mittag. Danach mache ich einen langen Spaziergang, was großartig ist, weil es kühl und sonnig ist und traumhaft schön.

grad noch ein Buch drüber gelesen!
Die größte vollständig bespielbare Orgel der Welt steht in der Macy's Filiale in Philadelphia. Natürlich. Aber: Die Konzerte sind täglich, kostenlos und wunderschön.
'Excuse me, would you mind taking a picture of me?'
Auf dem Weg zum Museum of Art
Am Museum of Art angekommen (closed on Mondays. natürlich.) habe ich mich auf die Stufen gesetzt und den Blick auf die Skyline von Philadelphia genossen. Und auf die Touristen. Abends ist im Hostel wieder Movienight, diesmal habe ich mich dazu gesetzt: 42 - The Jacky Robinson Story. Spitzenfilm!

Welcher Film?
video
richtig.

is in the air. 
Bradley von der Rezeption hat heute Abend wenig zu tun, deshalb freut er sich über die Filmauswahl und guckt mit.
Dienstags wache ich auf und kann mein Glück kaum fassen: die Sonne scheint schon wieder. Ich frühstücke, unterhalte mich dabei mit Travis aus Portland, der mir anbietet mir eine Liste mit Dingen aufzuschreiben, die ich machen soll, wenn ich im November in Portland bin. Außerdem erzählt er mir, dass die Leute immer sagen, dass er ein Character aus Portlandia sein könnte: 'And then I'm like: helloho! That's a TV show, this is real life. I'm a real person. Like, I hate that.' Als ich Alison abends erzähle, dass er einen Zopf, einen Bart, einen Exfreund und einen Job in einem Donutladen hat, sagt sie: 'Ich wette, die machen das mit Absicht!'. Ich glaube, sie hat recht. Danach schlendere ich zum Italian Market, einem Straßenmarkt, mit dem man irgendwann mal angefangen hat, den Preisabsprachen der etablierten Geschäfte zu kontern.

Travis kommt aus Portland und gehört da auch hin.
Wegen des Government-Shut-Downs ist der Zutritt zur Liberty Bell leider geschlossen. Mir reicht der Blick von außen auch völlig aus.
Auf dem Italian Market gibts vor allem Metzger und Bäcker.
und die Trikolore
Das Mural-Art-Projekt will mit Absicht, dass die Wände gestaltet werden.
Auf der South Street findet man allerlei Liebe und Liebende. Auch die zwei hier. 
Nach meiner Mittagspause gehe ich dann doch noch ins Museum Jüdischer Geschichte und finds klasse. Das Tolle ist, dass wegen des Government-Shut-Downs nur das bezahlt werden muss, was man bezahlenswert findet, und das andere Tolle ist, dass die Ausstellung richtig gut und umfangreich zusammengestellt wurde. So erhalte ich für 5$ gespendete Eintrittsdollar (statt der eigentlichen 10$) eine gelungene Übersicht über die Geschichten jüdischer Migration nach Amerika und deren Handeln und Siedeln in Amerika. Am Ende sprechen mich Panina und Len an, die im Museum arbeiten und wissen wollen, wies mir gefallen hat. Dann fragen sie mich, ob ich bei 'It's Your Story!' mitmachen möchte und ich möchte. Danach unterhalten wir uns über den Holocaust als Thema deutscher Schulbildung und über die Ungeschicktheit der Amerikanischen Regierung auf allen Ebenen. Danach hole ich mein Gepäck aus dem Hostel, verabschiede mich von Bradley und fahre zurück zu Philadelphias schönem Hauptbahnhof. Obwohl es noch hell ist, steht der Mond schon am Himmel.

Da geht sie, die französische Boyband. Yoann (links) und Adrian (mitte) treffe ich vielleicht in Boston wieder.
Mich fragt die Maschine nach einer Speise aus meiner Region. Meine Antwort? - Zwiebelkuchen und Federweißer!
Leider darf man von der Ausstellung keine Photos machen. Von der Architektur schon. Das ist gut, denn das Treppenhaus gefällt mir sehr.
Um einzusteigen stellt man sich in eine lange Schlange. Die Sitze sind breit mit viel Fußraum. Die Angestellten sind freundlich und hilfsbereit. AmTrak ist kein bisschen wie die Deutsche Bahn.
Ciao, Philly!

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