Donnerstag, 3. Oktober 2013

USA - Atlanta Gastonia Raleigh Atlanta

Als ich am Flughafen in Atlanta ankomme, in den Terminaltrain Richtung Baggage Claim steige und die altbekannte Stimme durch den Lautsprecher sagt: 'Please hold on. This train is departing.' habe ich kurz Gaensehaut und dann muss ich grinsen. Es ist das neunzehnte Mal, dass ich an diesem Flughafen bin, das zehnte Mal, dass ich in Richtung Baggage Claim fahre. Alles fuehlt sich an wie immer, ich bin ein bisschen zu Hause. Als ich das Flughafengebaeude verlasse muss ich ein paar Minuten auf Caroline warten. Das ist nicht schlimm, denn die Sonne geht gerade unter und ich merke, dass ich im Herbst angekommen bin. Caroline holt mich ab, wir plaudern wie zwei Wasserfaelle und holen nach, was wir in den letzten 12 Monaten nicht geplaudert haben. Wie immer. Als wir zu Hause ankommen machen wir eine Flasche Wein auf, Caroline kocht fuer mich und irgendwann fallen wir hundmuede aber gutgelaunt ins Bett.

das Motto meines Flugs: Atlanta! Deshalb Delta und Coca Cola (in meinem Fall mal light).
smog ueber Atlanta. auch wie immer.
ich bin da. ich freu mich.
und Atlanta sich vielleicht auch ein bisschen.
Als ich am naechsten Morgen aufwache ist Caroline schon bei der Arbeit. Ich mache Workout und fruehstuecke und gehe zu Publix und kaufe ein. Wie immer. Nach dem Mittagessen schnappe ich mir Bingham und wir laufen zur Hauptstrasse von Virginia Highland (dem Stadtteil, in dem Caroline wohnt). Der Frozenyogurtladen, der letztes Jahr aufgemacht hat, ist gottseidank noch da. Bingham und ich bummeln durch die Geschaefte und treffen den dicksten Hund der Welt. Zuhause wasche ich endlich mal wieder Waesche. Abends gehen Caroline und ich essen in Virginia Highland und ich fuehle mich ploetzlich ziemlich schlapp und kann mich kaum noch konzentrieren. wir stuermen in die Pharmacy, kaufen Waschmittel, Deo und EmergenC. Letzteres hilft angeblich gegen alles.

Ich denke, Bingham teilt meine Affinitaet zu gefrorenen Suessspeisen. Teilen will ich trotzdem nicht.
Cornbread hiess angeblich schon so, als der Besitzer sie bekommen hat. Ich denke, sie wurde nach ihrer persoenlichen Vorliebe fuer Maiskuchen benannt. Bingham muesste dann logischerweise 'Everything' heissen.
Am naechsten Morgen fit wie ein Turnschuh.
Tags darauf bin ich aufgeschlafen und fuehle mich wieder gut. Das Wetter ist richtig doof. Es regnet den ganzen Tag ohne Pause und Bingham und ich lungern in der Wohnung rum, lesen, gucken fern und ueberpruefen meinen Kontostand. Dieses Onlinebanking ist wirklich praktisch. Haette ich das vorher mal gewusst.




Am Donnerstagmorgen scheint die Sonne und das macht mich froh. Caroline und ich fahren Bingham zu einer Freundin, bei der er das Wochenende verbringen soll, dann setze ich Caroline bei der Arbeit ab und fahre zurueck in ihre Wohnung. Zwei Stunden spaeter haben meine Mutter und ich interkontinental meine Bewerbung fuers Referendariat fertig gestellt (locker. Dienstag ist Einsendeschluss...) und ich mache mich auf den Weg in die Mall (mal wieder), denn das war in Miami ja ein eher erfolgloses Unterfangen und ich hab immernoch keine anstaendigen Klamotten und es wird immer kaelter. Diesmal habe ich mehr Erfolg und ich spare dabei auch noch Unmengen Geld. Auch das macht mich froh. Um halb fuenf hole ich Caroline ab und wir fahren zusammen nach North Carolina, wo wir das Wochenende mit Mary (ihrer Mama) und Will (ihrem Bruder) verbringen wollen.

der dicke pulli war dringend noetig. alles andere war ploetzlich einfach da...
Irgendwo in South Carolina daemmert es draussen und uns, dass wir hunger haben.
Rumlungern funktioniert hier aehnlich wie zu Haus.
Am naechsten Morgen hoere ich im Halbschlaf, wie Mary und Will in die Klinik fahren, weil Mary ein paar Tests am Herzen machen lassen muss, und eine Stunde spaeter weckt mich Caroline um mir zu sagen, dass sie jetzt auch dahin aufbricht. Ich stehe auf, dusche, fruehstuecke und setze mich auf die Terrasse um in Marys 'Southern Living' Magazinen zu blaettern. Die drei bleiben den ganzen Tag im Krankenhaus und ich verbringe meine Zeit im Wohnzimmer, auf der Treppe vorm Haus, weil da die Sonne scheint und abends mache ich eine Quiche und Will einen Salat, weil wir alle ziemlich hungrig sind und froh, dass Marys Arterien normal sind. Nach dem Essen gucken wir Parenthood, einen ziemlich unterhaltsamen Film aus den spaeten Achtzigern, und gehen danach schlafen.

es ist Herbst. 
hierin steht, wie man seine Terrasse dekorieren soll. Oder seine Farm.
Quiche mit gruenen Bohnen, roter Paprika und gelber Zucchini. Nach dem Backen, vor dem Essen.
Tags darauf machen Will, Caroline und ich uns auf den Weg von Gastonia nach Raleigh, die Hauptstadt North Carolinas. Will hat hier vor kurzem ein kleines Haus gekauft, das Caroline noch nicht gesehen hat und ausserdem ist Internationales Bluegrass Festival, das bis jetzt keiner von uns gesehen hat. Als wir in Raleigh ankommen, gehen wir aber erstmal Football gucken und Mittagessen. Es ist sonnig, aber schon so kuehl, dass ich richtig durchgefroren bin, als wir zahlen. UNC (Carolines und Wills Uni) hat leider klaeglich verloren. Will und Caroline entscheiden, zukuenftig mit niedrigeren Erwartungen an die Sache heranzugehen. Zurueck bei Will bekommen wir Besuch von Jennifer, Josh und Jackson. Jennifer ist Carolines Studienfreundin und so wie ihr Mann ganz schoen nett. Jackson ist ihr Sohn. Der ist zwar erst zwanzig Monate alt, dafuer aber schon halb so gross wie ich. Fast.

Mary und ich quatschen noch kurz, Caroline ist schon bereit zum losfahren.
Weil Will findet, dass es typisch fuer die Region ist, bestellt er frittierte Gewuerzgurkenscheiben.
Nicht nur Jackson, Josh, Jennifer, Will und Caroline tragen die Farben der University of North Carolina. Auch Wills Kueche hat sich fuer den heutigen Game Day herausgeputzt.
Jacksons Lieblingswort ist 'stuck'. Fantastischerweise haengt die Ranke, an der er da zerrt, auch gerade fest.
Abends gehen Will, Caroline und ich nach Downtown Raleigh, wo auf etlichen Buehnen das Bluegrass Festival stattfindet. Es gefaellt mir unheimlich gut. Ueberall sind Leute, es gibt Staende mit Essen und Trinken und sogar einen Kuenstlermarkt. Ein bisschen wie das Johannisfest. Als Jennifer und Josh sich uns anschliessen, betreten 'Chatham County Line' gerade die Buehne, in deren Naehe wir stehen. Das Konzert ist super. Ich mag die Musik, die wunderschoenen Instrumente, das Publikum und die Stadt, in der das ganze stattfindet. Nach dem Konzert gehen wir steil. Bzw. Will und Caroline und Wills Freunde. Ich machs wie immer. Das ist aber gar nicht so schlecht, denn so kann ich Will am Ende des Abends wenigstens noch zudecken.

Caroline ist schon kalt, mir dann gleich auch. 
Einer der Jungs ist ein Sohn von einer Freundin von Mary. Wir wissen nur nicht, welcher.
Weil ich das Gaestezimmer bekommen habe und Caroline in Wills Zimmer schlaeft, bleibt ihm leider nur die Couch im Wohnzimmer. 
Am naechsten Morgen stehen wir alle irgendwie nacheinander auf, machen uns (sehr langsam) fertig um mit Jennifer, Josh und Jackson zu brunchen und dann zurueck nach Atlanta zu fahren. Jackson ist relativ bald relativ knatschig und so verkuerzt sich das ganze und Caroline und ich fahren schon um zwei auf die Autobahn nach Atlanta auf. Gegen sechs machen wir Abendessenspause und fahren dann die letzten drei Stunden am Stueck durch.

Wills Haus ist das hinten links in der Ecke. 
sieht aus den 50ern aus, ist aber erst dreizehn Jahre alt.
Es sei ein Wasserturm in der Form eines Pfirsichs. Ich glaube nicht.
Weil ich dringend Schlaf brauchte, schlafe ich am naechsten Morgen aus. Irgendwann gehe ich (sehr kurz) Joggen, mache Workout, dann die Waesche, einen spaeten Mittagsschlaf und als Caroline von der Arbeit zurueckkommt laufe ich mit Bingham um den Block. Dann kommt Tom, ein Freund von Caroline vorbei. Caroline kocht und es schmeckt wahnsinnig gut.

Sie haetten noch mehr dekoriert, aber nach vorne war kein Platz mehr. 
Ich nehme mir fuer den Dienstag vor aktiv zu sein. Wenigstens ein bisschen. Ich stehe auf, gehe laufen (nicht ganz so kurz wie gestern) und als ich geduscht und gefruehstueckt bin, mache ich mich auf um mir die Atlanta Beltline anzugucken, von der mir Caroline erzaehlt hat. Als ich wieder komme, macht Caroline Mittagsschlaf und spaeter kommt Shannon vorbei und wir unterhalten uns den ganzen Abend.

Die Beltline verlaeuft entlang der ehemaligen Eisenbahnschienen in einem Ring durch die Stadtteile Atlantas
entlang der Strecke kann man Graffiti und Skulpturen sehen und heute auch mich.
Direkt an der Beltline ist ein Skatepark. Ich guck lieber nur zu.
Was von der Seite aussieht wir ein Haufen Muell, der nach Farben sortiert wurde...
sieht von vorne aus, wie ein Haufen Muell, der einem freundlich zulaechelt.
Am Ende des Abschnitts North-East befindet sich das Cafe Parish.
Ich trinke ein Wasser, esse einen Peanutbuttercookie und schreibe in mein Reisetagebuch, bevor ich mich auf den Weg mache und die 1,7 Meilen zurueck zu Carolines Wohnung laufe.
Shannon hat mich waehrend meines Praktikums 2008 immer zur Schule mitgenommen. Und sich seit dem nicht veraendert.
Mein letzter Tag in Atlanta vergeht wie im Flug. Ich fahre mit Caroline zur Arbeit, setze mich ins Cafe um die Ecke und schreibe meine Postkarten. Irgendwann fahre ich mit dem Zug zum Flughafen. Um 14.25 Uhr geht mein Flieger nach New York, wo mich Alisons Vater abholt und ich die ersten Tage auf Long Island verbringe.

Thanks, ATL!

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