Montag, 28. Oktober 2013

Kanada - Vancouver

Als ich in Boston in den Zug gestiegen bin habe ich nicht erwartet, dass das mein unangenehmster Reisetag bisher werden würde. Aber das ist okay, die Tage davor waren ja schön. Ich komme nach 12 Stunden Reisezeit, zwei Flugzeugen, in denen genau der gleiche langweilige Film lief, drei weiteren Nahverkehrszügen und zwei Terminalshuttles spät am Abend in Vancouver an. Mein Hostel liegt ziemlich zentral und gefällt mir ganz gut. In meinem Zimmer begrüßt mich eine junge Frau mit den Worten: 'I'm Shauna. I'm a restless sleeper.'. Ich stelle mich kurz vor und gehe dann sehr schnell schlafen. Gottseidank ist mein Bett schon bezogen.

Das Flugzeugfenster ist eklig dreckig. Aber der Sonnenuntergang ganz nett. Netter als zum zweiten Mal den furchtbar langweiligen Film zu gucken.
Am nächsten Morgen wache ich um 5.30 zu Shaunas Krach auf und nach dem Frühstück schreibt mir Alex, der zufällig auch im Moment in Vancouver ist, ob ich Lust habe, mit ihm und seiner Hostelgang nach Bowen Island zu fahren. Um eins sei Treffpunkt und sein Hostel ist nur 10 Minuten zu Fuß entfernt. Ich bin ein bisschen skeptisch, weil der Nebel dicht über der Stadt hängt, aber entscheide mich dann doch dafür. Dann gehe ich in den Supermarkt decke mich mit frischem Zeug ein, packe meine Sachen und schlendere zu Alex Hostel. Währenddessen bricht der Nebel auf.

Mein Bett sieht sehr nach Deutscher Jugendherberge aus, ist aber überraschend bequem.
vor meinem Hostel stehen wunderschöne Bäume und ein Pfosten.
das Viertel in dem das Hostel steht ist ziemlich liberal. Offensichtlich.
und zum Nachtisch ein Schokieis.
Gemeinsam fahren wir zum Hafen ins Horseshoebay und steigen dort um auf die Fähre. Der Nebel ist fast weg und nur noch ein paar Schwaden schwadern über die Bucht. Das sieht ziemlich schön aus.

Kanada gibt schon beim Auftakt ganz schön an.
Alex und ich diskutieren über den Wert gestellter Photos. 
Weswegen er sich zunächst offen zu seiner Kanada-Affinität bekennt...
und dann bereitwillig aufhört für Photos zu posen...
ich wollte eigentlich auf den Felsen in der Mitte, aber der war so glitschig und ich wollte nicht nass werden.
Auf Bowen Island angekommen machen wir einen Spaziergang zum See. Das Wetter übertreibt maßlos. Die Sonne blinzelt furchtbar kitschig durch die Baumkronen und es ist gerade so kühl, dass man eine Jacke braucht. Die Luft ist unglaublich sauber und man hört keine Flugzeuge und keine Straße. Ich halts gerade so aus. Nach unserer Wanderung kehren wir in einem lokalen Pub ein, in dem die Frauen karierte Hemden und Tattoos tragen, die Männer lange Bärte und Truckermützen.

die Landschaft ist im Allgemeinen ganz okay. 
Alex und Casey sind bärenstark und brauchen keine Jacke, während ich mit Weste und Pulli eher am frieren bin. Die ganze Zeit. 
Casey (Australien), Mark (Irland) und Dominic (auch Ire) als wir abends im Pub einkehren. 
Am nächsten Morgen bemühe ich mich um ein neues Zimmer. Es stellt sich heraus, dass Shauna, die in meinem Hochbett unten schläft einen ziemlich großen Schaden hat. Sie spricht wahnsinnig schnell, ist furchtbar hektisch, rennt die ganze Zeit hin und her und vor allem: sie steht jeden morgen um 5.30 auf. Dann macht sie furchtbar viel Lärm während sie ihre Taschen packt. Sie lacht laut im Schlaf, sie redet laut während wir schlafen, sie raucht halbe Zigaretten und steckt den Rest zurück ins Päckchen. Die andere Frau in meinem Zimmer ist eine Urkanadierin, die ich selbst als 'Fiction Writer' vorstellt. Aber das sei ein hartes Feld, weil sie 'a very deep poet' sei. Außerdem habe sie kein Problem mit Shauna, weil der Wal ihr im Traum gesagt hat, dass 'you woman must get job'. Während ich packe sagt sie plötzlich 'Remember how we could still see and hear the fairies when we were kids?' Ich lächle kurz und bemühe mich noch schneller aus dem Zimmer in mein neues Zimmer zu ziehen. Dann kochen Glen (Neuseeland) und ich zu mittag, er Bohnen und Kartoffeln, ich Gemüse und Gemüse. Weil ich spät dran bin spült er meine Teller und ich flitze zu Alex' Hostel, weil Mark, Kevin (zwei Iren) und Brent (Australier) mich gefragt haben, ob ich nicht Lust habe, mit ihnen auf den Grouse Mountain zu klettern. Ich hab zugesagt, obwohl Alex mich gewarnt hat.

Glen wollte, dass das Glas Wasser auch auf dem Bild ist, damit man sieht, dass auch was gesundes dabei ist.
Das Bild ist so verwackelt, weil der Kerl der das Bild gemacht hat genau so geschreddert war wie wir und er dementsprechend seine Arme nicht mehr hochhalten konnte..
Brent war so nett, den gesamten Aufstieg über meinen Beutel zu tragen.
als ob ganz oben irgendein Mensch Lust hätte wieder nach unten zu klettern.
Oben angekommen setzen wir uns schweißgebadet auf die Terrasse der Bergstation der Gondel. Diese wäre die Alternative zum Aufstieg gewesen, aber wir wollten uns ja nicht lumpen lassen. Der Ausblick ist atemberaubend. Wir decken uns mit Snacks ein, um unsere Blutzuckerspiegel auszugleichen und genießen die Wärme der Sonne.

Ein Mandelbutterriegel (vegan. und glutenfrei. natürlich.), ein Smoothie und ein Wasser. 
nach 2,9 km steil bergauf. ich bin platt. 
Der Berg steht in Washington State in Amerika. Das ist irgendwie abgefahren.
und das ist mein Irischer Wanderverein: Kevin und Mark.
Hinter der Gondelstation ist ein kleines Bärenreservat. Da wohnen zwei Grizzlys. Ich mag, wie Grizzlybären ihre Nase bewegen. Wir gucken ihnen dabei zu, wie sie zwei Kaninchen zerfleischen und in ihrem kleinen Pool baden, laufen zur Gondel und fahren zurück in die Stadt. Auf dem Heimweg essen wir Eis (zur Belohnung!). Als ich zurück in mein Hostel komme gehe ich zur Rezeption um mir ein Handtuch zu holen und dann in mein neues Zimmer. Ich öffne die Tür und sehe: einen alten Mann. Bill heißt er. Und nachdem ich den beiden verrückten Frauen entflohen bin, hat man mich offenbar mit dem 'zu isolierenden' männlichen Gast des Hauses zusammengesteckt. Peinlich berührt renne ich zur Rezeption, bekomme mein drittes Zimmer an diesem Tag und packe schnellst möglich meine Taschen, meine Wäscheleine, auf der meine Unterwäsche und Pullis (zu Bills großer Freude...) zum trocknen aufgehängt waren und ziehe zu Emma und Jane. Auf den Schreck will ich gerne was trinken und verbringe deshalb den Abend mit meinem Wanderverein in deren Hostel.

im Winter fahren hier die Skitouristen hoch und runter. Heute: wir (aber nur runter. natürlich.)
Ausblick geht klar.
bei Cold Stone Ice Cream panschen sie auf einer kalten Steinplatte (natürlich.) M&Ms und Cookiedough in mein Schokieis.
Freitagsmorgens gehen Glen, der nette Neuseeländer, mit dem ich seit Tag 1 hier frühstücke, und ich zur Free Walking Tour. Weil wir uns bisher immer nur über die Verrückten in unseren Zimmern unterhalten haben und er mir dabei zugeguckt hat, wie ich Orangenviertel des Gratisfrühstücks ausgelutscht habe (sehr ansehnlich.) ist es nett, mal mit ihm loszuziehen. Die Walkingtour ist super. Sahil, unser Guide, führt uns durch Downtown und an die Waterfront und verwöhnt uns mit Funfacts über die Kultur Vancouvers und die Olympischen Spiele 2010. Wir belohnen ihn mit zehn Dollar Trinkgeld und ich laufe mit Glen zum Ferryterminal, weil er in Nordvancouver eine Wohnungsbesichtigung hat. Wie alle, die ich bisher getroffen habe, hat er ein einjähriges Arbeitsvisum und möchte erstmal hier bleiben.

Das Hotel war früher das Flaggschiff Vancouvers und stand da, wo heute der scheußliche Tower steht. Von seinem neuen Standort aus spiegelt es sich jetzt aber in dessen Fassade und ist so irgendwie immer noch an Ort und Stelle.
Weil es in Vancouver 200 Tage im Jahr regnet, hat man viele Indoorparks geschaffen, in denen Kunst (wie dieses riesige Pendel) und Aktivitäten angeboten werden. 
Wir durften keine Photos von den Kindern machen, deshalb hier, nur ein Photo von der Apsis.
Weil man an den Straßenständen in Vancouver lange Zeit nur Hotdogs und Brezeln verkaufen durfte, hat der Erfinder von Japadog seine asiatische Cuisine einfach auf die Hotdogs draufgepackt. Clever!
Glen und ich vor dem Olympischen Brunnen, um den während der Spiele sinnigerweise ein blickdichter Zaun gezogen wurde.
Weil Vancouver im Winter seltener gefriert als alle anderen kanadischen Städte gibt es hier auffällig viele Obdachlose, die die Vorbeilaufenden mit ausgefallenen Pappschildern überraschen.
Nachdem ich am Freitag nach der Walking Tour schnell ins Hostel zurückgekehrt bin, weil es kalt und bewölkt war, freue ich mich, als Brent und Jess mich fragen, ob ich mit ihnen Skisachen kaufen gehen will. Es ist so kühl, dass ich gerne ein Stirnband hätte. Oder vielleicht eine Mütze. Danach fahre ich mit meinem ehemaligen Wanderverein und jetzigem Fahrradclub, Mark und Kevin, und einem schottischen Mädchen, das ich kaum verstehe und das Gemma heißt, durch Stanley Park, der größer ist als der Central Park und ganz schön schön.

mein Australischer Shoppingclub heute mit Jess, Brent, Kil und Ryan (der morgen mit mir nach Victoria fährt)
Stanley Park war ursprünglich ein heiliger Ort des Indianerstammes. Heute dient er der Naherholung der Vancouveraner. 
die Fahrräder sind super. Ohne Speichenperlen, aber sonst wirklich einwandfrei.
Mark und Kevin haben sich fürs Tandem entschieden.
als ein Pärchen kitschige Verlobungsphotos macht, lassen sich die beiden inspirieren.
Die Brücke hat die Guiness Familie gebaut. Und noch ein paar Häuser in Vancouver. 
an diesem Strandabschnitt verstehe ich zum ersten mal, dass ich ja jetzt wieder am Pazifik bin. Verrückt.
Abends ist im Backpackershostel ein bisschen Halloweenbegängnis. Deshalb haben wir morgens Schminke gekauft. Ich schminke Jess, Brent, mich und zwei Engländerinnen, verbrauche literweise Theaterblut. Ich mag Halloween nicht so gerne. Und auch nicht, dass die meisten Mädchen halbnackt sind.

'How do we look scary?' - 'Make your normal face!'
man darf in Kanada nicht aus Dosen oder Flaschen trinken. Ich find das ein bisschen unsinnig.
deswegen bekommen Kevin und Mark auch ständig geschimpft.
Meinen letzten Tag verbringe ich damit, zwischen Frühstück und Mittagessen nicht die Küche zu verlassen. Ich kann nicht mit ansehen, wie Glen schon wieder in Erwägung zieht, seine ekligen Dosenbohnen zu essen. Deshalb kochen wir Gemüsepfanne, auch um den ganzen Kram zu verbrauchen, den ich am ersten Tag gekauft habe. Dann fahren wir zum Lynn Canyon und machen einen Spaziergang. Abends laden Kevin und Mark mich zum Filmgucken ein. Ich verpasse (leider...) die ersten 70 Minuten des dämlichen Hobbits, aber danach gucken wir gottseidankerweise 'The next three years', den ich ziemlich gut finde. Montags bleiben Glen und ich unserem Frühstücksritual treu und packen danach unseren Kram. Ich fahre nach Victoria, die Hauptstadt British Columbias, die auf Vancouver Island westlich des Festlands liegt, er zieht in seine Wohnung, für die er vorgestern eine Zusage bekommen hat.

wir finden eher, dass es ein Doppelwasserfall ist.
weil der ja eher nacheinander fällt, als gleichzeitig.
der Blick von der Canyonbrücke in den Canyon.
Schön wars, Vancouver.

Dienstag, 22. Oktober 2013

USA - New York Boston

Nachdem ich aus Philadelphia zurückgekommen bin, brauche ich erstmal eine Pause. Ich verbringe den ganzen Mittwoch in Jogginghose und Schlabberpulli auf Alisons und Jons Couch in Brooklyn und lasse mich vom Fernseher berieseln, koche mir was zu essen und warte aus bessere Zeiten. Als Jon und Alison abends nach Hause kommen schlagen sie vor zum Pubquiz um die Ecke zu gehen. Für mich ein Grund, mich endlich anständig zu kleiden und außerdem vielversprechend, weil Alison und Jon Juristen sind und daher klug sein müssen und weil ich so gerne gewinne denke ich, dass das gute Voraussetzungen sind. Alison nennt unser Team 'Mainz 05', ich füge mich und gemeinsam holen wir in der ersten Runde 9 von 10 Punkten. Ich kann überraschenderweise meinen Beitrag leisten, weil ich weiß, dass die Queen Mary I im Hafen von Long Beach liegt (warum auch immer...). Die Runden danach sehen leider schlechter aus. Und als es darum geht, Horrorfilme zu raten und Filmzitate zu erkennen hilft Jon (und Mainz '05) sein Harvardabschluss leider auch nichts mehr. Wir gewinnen nicht, aber es macht trotzdem Spaß.

Jägermeister hatten sie interessanterweise keinen. Wollt ich auch nich.
New Mexico war leider falsch. Nevada wäre richtig gewesen.
Die nächsten zwei Tage verbringe ich damit, mit überraschend häufig zu verlaufen bzw. zu verfahren. Donnerstagsabends hole ich Haley von der Arbeit ab, sie zeigt mir ihr Büro, wir gehen mexikanisch Essen und danach Frozen Yogurt (Natürlich.). Am Freitag fahre ich zum Campus der Columbia, wo meine Freundin Alysa ihr Auslandsemester verbringt. Das Wetter ist traumhaft und der Campus auch. Nach dem Mittagessen holen wir Cheese Cake in der Magnolia Bakery (natürlich.) und fahren in ihr Wohnheim, das eine noch traumhaftere Dachterrasse hat und fantastisch liegt. Wir verputzen einen Teil des Kuchens und schon mache ich mich auf den Weg nach Harlem um Jessi zu besuchen, die ich seit Silvester nicht mehr gesehen habe. Sie macht ihren Master an der Manhatten School of Music und wohnt in einer hübschen WG nördlich des Central Parks. Wir sitzen einfach auf ihrem Bett und quatschen zweieinhalb Stunden lang. Abends (ver)fahre ich nach Downtown, wo Alison und Jon fünfundvierzig Minuten lang auf mich warten müssen. Nach dem veganen (natürlich.) Abendessen fahre ich mit dem Zug nach Long Island, um von dort aus am nächsten Morgen zur Penn-Station zu fahren, weil von dort der Zug nach Boston fährt.

Haleys Cubicle im Großraumbüro ist überraschend persönlich.
Nicht schön, aber nass.
Lyse wirft ihr Haar zurück und geht dann mit mir Sushi essen.
Die Aussicht von ihrer Dachterrasse entschädigt mich ein wenig dafür, dass Nele und ich nicht aufs Empire State Building konnten, weil das Wetter so doof war.
Jessis Zimmer ist gemütlich, trotz ihres knautschigen Bed-Bug-Bettbezugs. 'Ich dachte, weil ich ja in Harlem wohne ist das keine so schlechte Idee...'
Am nächsten Morgen fahre ich also nach Boston. Im Zug sitzt hinter mir ein Mann mit langem, weißem Rauschebart, der sich mir als Gyuri Hollósy vorstellt. Er sei in Deutschland geboren worden, deshalb spricht er noch ein paar Brocken Deutsch. Tatsächlich ist er Ungar, der in Amerika aufgewachsen ist und Künstler. Er bittet mich, sich neben ihn zu setzen, damit er mir die Skulpturen auf seinem Laptop zeigen kann, die er aus Bronze gießt. Eine steht in Boston auf dem Liberty Square und ich freue mich darauf, sie mir in echt anzuschauen. In Boston angekommen vergessen Gyuri und ich auszusteigen, weil wir uns so blendend unterhalten, ist aber gottseidank die Endstation.

Mein Frühstück: Haferbrei mit Rosinen, Mandeln und Zuckerzimt.
Dann fahre ich mit der Orange Line in den Süden, denn Google Maps hat mir gesagt, dass dort mein Hostel steht. Google Maps ist richtig blöd. Es schickt mich in einen vollkommen falschen Teil der Stadt, der mir zwar sehr gut gefällt, in dem aber definitiv nicht mein Hostel steht. Ich laufe mit meinem gesamten Gepäck durch die Straßen und spreche einen Mann an, der sympatisch aussieht, ob er mir den Weg beschreiben kann. Guy, so heißt der Mann, googlet kurz und erklärt mir dann, dass ich etwa eine Stunde von meinem Hostel entfernt bin, aber wenn ich möchte, könnte ich auf einen Happen zu essen mit in die 'Community Orchard' einem Gemeinschaftsbeet der Nachbarschaft mitkommen und ein paar nette Leute treffen. Ich ignoriere meine Zweifel, weil das Beet eh auf dem Weg zur Bahnhaltestelle liegt und ich mir denke, weiterlaufen kann ich immernoch. Aber Guy hat recht. Alle nett. Alle ein bisschen Öko, viele Kinder, viel Liebe. Ich werde wahnsinnig freundlich gegrüßt, esse Suppe, trinke selbstgepressten Apfelsaft und pflücke Zitronenmelisse aus dem Kräutergarten und muss an Eva denken. Als es nachmittags wird und ich beschließe mich auf den Weg in mein Hostel zu machen sagt Guy: 'I've got a proposal for you. My wife, my son and I live right around the corner in a big house and we always have guests. If you want to save some money you are welcome to stay with us.' Ich entschließe mich, mir das Ganze mal anzusehen. Wir laufen von der Orchard über die Straße zu seinem Haus und dort macht uns Shari die Haustür auf. Sie strahlt mich an und bittet mich herein, aber auch, leise zu sein, weil ihr Sohn Avery (zwei) oben schläft. Wir gehen in die Küche und ich werde gelöchert: über meine Reise, wo ich herkomme, was ich mache und vorhabe, ob ich die Katze (Armin) ertrage und allergisch auf essen reagiere. Das Haus ist wunderschön, alt und sehr sauber. Guy zeigt mir mein Zimmer und fragt mich, ob ich abends mit zum Laternenumzug um den See kommen möchte. Ich möchte.

In der Community Orchard dürfen alle pflanzen und ernten was sie wollen.
Butternutsquashsweetpotatosoup, selbstgemacht und natürlich im abbaubaren Becher.
Die Girlies basteln ihre Laternen für den Lauf heute Abend
Noah hat Dreadlocks und einen Bart. Und eine Apfelsaftpressmaschine.
Avery schmeckts.
Weil Umweltbewusstsein hier großgeschrieben wird, sind die Laternen aus alten Plastikflaschen.
Am nächsten Morgen riecht das ganze Haus nach frischem Toast. Ich jogge zum, um und vom See wieder zurück, Dusche und frühstücke Omelette, Toast und Birnen. Dann fahren wir gemeinsam in die Stadt, weil Shari und Guy mir Beacon Hill, die schönste Wohnsiedlung der Stadt, zeigen wollen. Und es ist wirklich traumhaft. Dann brigen sie mich zur Bahnhaltestelle, von der aus ich zu Patrick an den Campus des Boston College fahre. Dort angekommen werde ich von ihm abgeholt, er zeigt mir den Campus, die Sportanlage und seine Freundin. Die ist super. Ziemlich hübsch und sagt ziemlich oft 'like', aber das find ich nicht so schlimm, weil sie ziemlich clever und schlagfertig ist und das find ich sympathisch. Gemeinsam essen wir mittag, Frozen Yogurt und laufen zurück zur Bahnhaltestelle, von der aus ich vier Stunden nachdem ich angekommen bin wieder in die Stadt fahre. Dort angekommen ist es schon dunkel und so kalt, dass ich doch lieber weiter nach Jamaica Plain fahre. Guy und Shari haben mir ihren Haustürschlüssel gegeben, sind aber da als ich ankomme. Shari und Avery spielen in der Küche, Guy spielt seine Tapes ab, denn er ist Berufsmusiker. Deshalb steht hier auch ein Flügel, mehrere Gitarren und eine Menge Percussioninstrumente. Ich mache mir einen Tee und ziehe mich in mein Zimmer zurück.

Avery hat seinen Rasenmäher mit in die Stadt genommen.
Sharis Kamera findet er auch okay, die bewegt sich und blinkt manchmal rot.
Gleiche Halle. Patricks Basketballparkett wird einfach drüber gebaut. Das auf dem Eisfeld sind übrigens Frauen. Deshalb sind nur so wenig Zuschauer da.
die Million-Dollar-Stairs heißen so, weil sie soviel gekostet haben, weil im Winter beheizt werden können. Und plötzlich ergeben die 26.000$ Studiengebühren pro Semester und Student wieder Sinn.
Patrick ist nur noch einen Kopf größer als ich. Ich denke, bald hab ich ihn. 
Leah hat Geschmack. Im Eisladen nimmt sie Schokieis mit Himbeerfrozenyogurt und heißer Schokisauce.
Mein dritter Tag in Boston beginnt langsam aber genau so sonnig wie die Tage davor. Nach dem Frühstück fahre ich in die Stadt und laufe am Hafen entlang, zurück zu Downtown Crossing und durch den Stadtpark und den Public Garden. Das mit den Grünanlagen können sie, die Bostoner. Mittags fahre ich dann zum Harvard Campus. Der ist sehr schön. Nicht ganz so imposant wie Columbia und Boston College, aber charmant und herbstlich. Als die Sonne nicht mehr ganz so warm ist gehe ich zu Starbucks und feiere meine eigene kleine Teaparty. Dann laufe ich zum Passim Club. Dort findet heute Abend ein Story Slam statt. Ein bisschen wie ein Poetry Slam aber weniger poetisch als alltäglich. Das Thema ist 'magic' und die Auslegung von Magie so unterschiedlich wie die zehn Kandidaten. An meinem Tisch sitzen Maddie und Carrie. Zwei Freundinnen aus Boston, die sich nett mit mir unterhalten und das gleiche essen wie ich. Dann fahre ich nach Hause, komme auf dem Weg an einem Schokiladen vorbei und lasse mich hinreißen, für 3,99$ (!!!) eine Tafel Ritter Sport für Shari und Guy zu kaufen.

Das ist die Statue, die Gyuri, der Mann aus dem Zug, gefertigt hat.
und das ist meine Aussicht beim Mittagessen. Geht eigentlich.
Und das bin ich auf einer Parkbank im Park.
Die bunten Stühle stehen im gesamten Innenhof des Harvard Campusses. Sitzen darf man umsonst. Ins Internet auch. 
Herr Harvard.
Carrie (links) und Maddie (rechts) setzen sich zu mir und sind gut gelaunt. Das gefällt mir.
Mein letzter Tag in Boston beginnt so sonnig wie alle anderen auch. Als ich mit Carina skype setzt sich Avery zu mir und wir spielen Kieselsteinewerfen auf meiner Matratze und auch Kieselsteine aufeinander klackern. Dann frühstücke ich mit Avery und Shari und die beiden bringen mich zur Bahnstation. Ich freue mich über meine neuen Freunde und bin ein bisschen traurig, dass ich nur drei Tage lang in Boston war. Aber weil mich Vancouver als nächste Station erwartet, ist das nicht ganz so schlimm.

Avery und seine Kieselsteineschachtel
Auf dem Weg zur Bahnstation pflückt Shari wilde Trauben, die unglaublich süß und lecker schmecken. Avery auch: 'Want mohore.'
Weil Avery keine Lust mehr hat zu laufen, kommt er auf Sharis Schultern. Weil er auch von dort aus mähen kann, findet er das nicht so schlimm.