Dienstag, 17. September 2013

Nicaragua - Salinas Grande

Ein Stueck Paradies. Fuer mich zumindest, die in einer Blase der Glueckseeligkeit durch dieses wunderschoene Land laufen durfte. Fuer die Menschen, die hier leben, sieht das Ganze vielleicht ein bisschen anders aus. Zurueck zur Anreise.

Weil ich leider um 4.30 an der Puerta del Sol abgeholt wurde, musste das Fruehstueck auf meinen Schoss am Flughafen verlagert werden.

der Flughafen ist sehr klein, deshalb muessen die Flugzeuge hier auch sehr klein sein.

Um aus Costa Rica rauszukommen muss man 31$ Steuern bezahlen. Dafuer bekommt man eine wunderschoene Boardkarte.

Um 6.30 sind wir vom Flughafen Tobias Bolanos losgeflogen und hatten eine Menge Glueck, weil das kleine Flugzeug zwar klein war, aber riesige Fenster hatte, aus denen man die fantastische Vulkanlandschaft von Costa Rica bestaunen konnte. Darueber habe ich mich persoenlich sehr gefreut, weil ich mich schon fast ein bisschen geaergert habe, dass ich mir in Costa Rica keinen Vulkan angesehen habe.


der Volcan Poas hat irgendwo auch noch einen Kratersee, den ich leider nicht gesehen habe

mein Spanisch reicht aus um mich zu vergewissern, dass es mir gut geht


nicaraguanische Wattebaeusche ueber dem Lago Nicaragua


Der Flug war sehr angenehm. Ich kann mich nicht erinnern, schonmal mit einer Propellermaschine geflogen zu sein. Es hat mich auch nur kurzzeitig besorgt, dass es keine Sicherheitshinweise gab, man nicht gebeten wurde, sein Handy auszustellen und die Tuer des Cockpits den ganzen Flug ueber offen stand. Am Flughafen der Nicaraguanischen Hauptstadt Managua angekommen wurde ich von meinem Fahrer Eddy abgeholt, der mich die zwei Stunden nach Norden ins Camp in Salinas Grande bringen sollte. Die ersten eineinhalb Stunden fuhren wir ueber eine herrliche, ausgebaute Strasse die groesser war als eine Landstrasse aber kleiner als eine Autobahn. Dann bogen wir in richtung Salinas Grande ab und ab da war die Strasse dann nicht mehr ausgebaut, ich habe verstanden, weshalb ich im Gelandewagen abgeholt wurde und fand ploetzlich die Schlagloecher in der Bert-Brecht-Strasse nichtig und klein.

fand ich witzig und irgendwie schluessig aber auch nicht so sonderlich sicher.


Salinas Grande heisst so, weil es hinter grossen Salzfeldern liegt. Fand ich auch schluessig.

Im "Rise-up Surf"-Camp angekommen empfing mich Stigs (der Koch) und stellte mir Lili (aus Muenchen) und Ben und Nick (aus Kalifornien) vor. Zu viert waren wir die einzigen Gaeste in der Woche und verstanden uns blendend. Ausserdem waren im Camp noch Oscar, der fuer die Surfphotos verantwortlich war und auch irgendwie Maedchen fuer alles war, Chinto, der eigentlich Surflehrer war aber vor allem Getraenke mit viel Rum gemischt hat, und Phillipp, aus Barbados, dem das Camp gehoert und der auch gerne Getraenke mit viel Rum gemischt hat.


warum die Phasen der Inaktivitaet hier unverhaeltnismaessig lang sind

als sich die Sonne am ersten Abend schlafen legt


Tatsaechlich war ich aber ja eigentlich nicht zum rumlungern sondern zum Surfen da. Dazu muss ich sagen, dass ich mir von Anfang an vorgenommen hatte, dass das einfach eine Erfahrung sein sollte, die ich mal machen wollte und von der ich nicht ausging, dass sich daraus eines meiner greosseren Hobbies entwickeln wuerde. Daran hat sich nicht viel geaendert. Es macht wahnsinnig Spass, es ist wahnsinnig anstrengend, ich hab richtig Schiss, aber am albernsten ist, dass ich leider Seekrank geworden bin. Zumindest am ersten Tag. Das hab ich nicht so richtig verstanden und ausser mir eigentlich auch keiner.


Ich reibe mein Surfbrett mit Wachs ein, damit ich nicht abrutsche. Es stellt sich spaeter raus, dass auch das kein Garant ist.
Ich nenne es liebevoll Surfboot, weil es so gross, breit und schwer ist wie ein Boot und weil ich ja auch seekrank darauf wurde.
video
Das Video hat Lili am zweiten oder dritten Tag gemacht. Die Wellen sind klein, ich hab trotzdem Angst. Das mit dem Aufstehen hat schon am ersten Tag geklappt. Danach ist die Lernkurve nur noch geringfuegig nach oben gegangen.
Das wunderbare daran, dass wir nur zu viert waren, war, dass wir staendig irgendwelche Ausfluege machen konnten. So sind wir zum Beispiel am zweiten Tag mit dem Boot, dessen Besitzer, den alle nur 'El Capitan' nannten und ein paar Angeln aufs Meer hinausgefahren und haben gefischt. Ich hatte zuvor eine Reisekrankheitstablette genommen, die mich vor allem muede gemacht hat, aber immerhin wurde mir nur schlecht, wenn ich nicht zum Horizont geguckt habe. Also habe ich meistens das gemacht, bis alle der Ansicht waren, dass ich auch einen Fisch fangen sollte. Obwohl ich mich erst ein bisschen gestraeubt habe, hatte ich dann doch einen an der Angel und war ein bisschen stolz, als ich ihn aus dem Wasser gehievt habe. Abends gabs dann natuerlich frischen Fisch zum Abendessen!

Chinto hilft mir beim Angelauswerfen
El Capitan hat einen am Haken und drei Goldzaehne.


Der zehnte und groesste Jack an diesem Tag, aber immerhin der, den ich gefangen habe (und den Chinto haelt.)


Hier hilft jeder jedem. Als Nick den elften Jack aus dem Wasser zieht, schenkt Lili ihm nach.


Ben sorgt fuer Abwechslung und zieht die einzige Makrele aus dem Wasser. Die huepft dabei vor Freude.



was ich in den Strassen Managuas noch witzig und schluessig finde, holt mich hier ein: Zu acht (zu Zwanzigst, aber die Fische liegen alle auf einem Haufen) fahren wir mit El Capitans Pick-up-Truck ueber die Schotterpiste zurueck zum Camp.


Am Dritten Tag haben wir dann einen Ausflug in die nahegelegene Kolonialstadt Leon gemacht. Es hat leider in Stroemen geregnet, aber das war irgendwie egal, weil es ja warm war und weil die Stimmung ausgelassen und froehlich war. Nicaragua war bis vor etwa 1990 im Buergerkrieg nachdem man Ende der Siebzigerjahre gewaltsam den Didktator gestuerzt hatte. Dementsprechend ist das Land nachwievor bettelarm und erholt sich nur langsam. Die politischen Strukturen sind auch heute noch mangelhaft, die Landbevoelkerung kann auf keinerlei Unterstuetzung durch die Regierung hoffen. Die meisten sind Fischer, jagen Krokodile oder Schildkroeteneier. Ausser ersterem ist nichts davon erlaubt, es interessiert aber auch niemanden so richtig. So richten die Nicas aus der Alternativlosigkeit heraus das zugrunde, was eigentlich die bluehende Zukunft durch den Tourismus versprechen koennte. Meeresschildkroeten sind vom Aussterben bedroht, denn ein Duzend Eier bringt bis zu zwei Dollar, ein kleines Stueck Krokodilhaut in ihrer rohesten Form bis zu 25$. Naturschutzgebiete sind zwar auf den Karten ausgezeichnet, jedoch werden sie hier schonungslos ausgebeutet. Als Oscar eine Meeresschildkroete davor beschuetzen will, dass die Einheimischen ihre Eier nehmen, mischt sich Phillipp ein. Er erklaert, dass er 12 000 $ in den Schutz von Schildkroeten investiert hat. Aber man kann den Leuten nicht sagen, dass sie das nicht duerfen, solange man ihnen keine Alternative bietet. Ich finde er hat recht, aber als ich eine 50 cm grosse Schildkroete ins Meer watscheln sehe, bin ich auch unheimlich traurig.


Stau auf der Schotterpiste


hier verehrt man noch seine Revolutionaere. Es gibt sogar Einrichtungen fuer Menschen, die aus der Revolution mit einer Behinderung gekommen sind.





Schulkinder auf dem Sportplatz. Schuluniformen sind Pflicht.


Streetart in Leon


Lili und ich an den Marktstaenden


Wir durften auf das Dach der Kathedrale. Das war cool. In Deutschland waere es vielleicht gesichert gewesen.


in der Markthalle musste Chinto Lili eine Penata kaufen. Dafuer musste Lili die Schnuckelchen tragen.


Abends trafen wir Phillip und Stigs in einer Bar um, nachdem wir Rumtrinken waren, noch ein bisschen Rum zu trinken.

In den darauffolgenden zwei Tagen haben wir vor allem viel herumgelungert, gelesen und geschlafen. Ich habe mein Buch, das Nele mir geliehen hat fertig gelesen und es hat keine weiteren Seiten geopfert. Ein suesses Buch, das sich super liest, aber nicht die Welt veraendern wird: "The one hundred year old man who climbed out the window and disappeared".

Oscar war der Ansicht, dass es nichts schoeneres gibt, als eine Frau, die ein Buch liest. Bla. Bla. Bla.



Lili ist ein bisschen wie Marie. Sie macht gerne mehrere Mittagsschlaefe am Tag.


Am fuenften Tag sind wir am Nachmittag wieder mit El Capitans Boot gefahren. Diesmal aber auf dem Fluss, der noerdlich des Camps ins Meer muendet. Am Anfang hat Phillip, der in London Geowissenschaften studiert hat, noch versucht uns etwas ueber die Mangrovenwaelder zu erzaehlen. Die anderen haben dabei angeregt Bier getrunken, das hier schmeckt wie Wasser. Vielleicht ein bisschen wie Bierschorle.


Um mich nuetzlich zu machen habe ich das Steuer uebernommen. Das hat mir mehr Spass gemacht als Bier zu trinken. (neben mir sitzt Phillip)

Lili war sehr mutig. Sie hat sich von der Baumkrone in den Fluss gestuerzt. Ich hatte mal wieder Schiss. Dafuer hatte Lili danach drei Tage lang schlimme Rueckenschmerzen. Viel schlimmer war aber, dass sie deshalb abends nicht ihre Penata zerschlagen konnte.

Aus der kaputten Penata (Nick hat sich drum gekuemmert) hat Ben Huete gebaut. Und sich dann neben Stigs gesetzt, der neben mir sitzt, die neben Nick sitzt, der neben Lili sitzt, die neben Chinto sitzt.

Als am naechsten Tag die Jungs wieder nach Kalifornien geflogen sind, waren Phillip, Oscar, Lili, Chinto, Stigs und ich in der Pulperia essen. Hier trifft man sich Samstags und Sonntags zum wirklich geselligen Beisammensein.

Am letzten Tag haben Chinto, Oscar und ich einen Ausflug zum Cerro Negro (Schwarzer Huegel) gemacht. Weil Oscar sich bei einer Pruegelei seine rechte Hand gebrochen hatte, ist nur Chinto mit mit auf den Vulkan gewandert. Auf halber Strecke wurden wir vollstaendig von einer vorbeiziehenden Wolke eingehuellt. Man hat nur den Wind und ein paar Voegel gehoert und ich hatte ganz schoen Gaensehaut.



Der Cerro Negro ist nur 160 Jahre alt. Darauf wachsen keine Pflanzen, weil der Schwefelgehalt an der Oberflaeche zu hoch ist.


Es gibt zwei Krater. Der Nebel links ist eine Wolke, der Nebel in der Mitte ist Rauch. Der letzte Ausbruch war 1999.

Das erklaerte Ziel war es, von oben auf einem Holzbrett wieder herunter zu rutschen.
Oben angekommen habe ich mich erstmal in Schale geworfen.

Ich bin ein bisschen gerutscht, hatte sehr viel Angst, und als ich kurz stecken geblieben bin, habe mich mich dazu entschieden, einen Moment lang die Unglaublichkeit des Moments su begreifen.
Unten angekommen war mir sehr warm. Schliesslich bin ich gerade einen Vulkan runtergrutscht.
Am Abend haben wir nochmal Stigs fantastisches Essen gegessen. Ich kann mittlerweile keine Plantanos mehr sehen. Weder gebraten, noch frittiert, noch getoastet. Aber die Guacamole war fantastisch. Wir haben ein Lagerfeuer am Strand gemacht, Rum getrunken und dann habe ich gepackt und bin um acht Uhr schlafen gegangen. 12 Stunden spaeter hat mich El Capitan zum Flughafen gebracht, von wo aus ich nach Miami geflogen bin.

Adios, Nicaragua!



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